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from Hannes Wader - Dass Nichts Bleibt Wie Es War (2001)
Weit in der Champagne im Mittsommergrun
Dort wo zwischen Grabkreuzen Mohnblumen bluh'n Da flustern die Graser und wiegen sich leicht Im Wind, der sanft uber das Graberfeld streicht Auf deinem Kreuz finde ich toter Soldat Deinen Namen nicht, nur Ziffern und jemand hat Die Zahl neunzehnhundertundsechzehn gemalt Und du warst nicht einmal neunzehn Jahre alt Ja, auch Dich haben sie schon genauso belogen So wie sie es mit uns heute immer noch tun Und du hast ihnen alles gegeben: Deine Kraft, Deine Jugend, Dein Leben Hast du, toter Soldat, mal ein Madchen geliebt? Sicher nicht, denn nur dort, wo es Frieden gibt Konnen Zartlichkeit und Vertrauen gedei'n Warst Soldat, um zu sterben, nicht um jung zu sein Vielleicht dachtest du Dir, ich falle schon bald Nehme mir mein Vergnugen, wie es kommt, mit Gewalt Dazu warst du entschlossen, hast dich aber dann Vor dir selber geschamt und es doch nie getan Ja, auch Dich haben sie schon genauso belogen So wie sie es mit uns heute immer noch tun Und du hast ihnen alles gegeben: Deine Kraft, Deine Jugend, Dein Leben Soldat, gingst du glaubig und gern in des Tod? Oder hast zu verzweifelt, verbittert, verroht Deinen wirklichen Feind nicht erkannt bis zum Schluß? Ich hoffe, es traf dich ein sauberer Schuß? Oder hat ein Geschoß Dir die Glieder zerfetzt Hast du nach deiner Mutter geschrien bis zuletzt Bist Du auf Deinen Beinstumpfen weitergerannt Und dein Grab, birgt es mehr als ein Bein, eine Hand? Ja, auch Dich haben sie schon genauso belogen So wie sie es mit uns heute immer noch tun Und du hast ihnen alles gegeben: Deine Kraft, Deine Jugend, Dein Leben Es blieb nur das Kreuz als die einzige Spur Von deinem Leben, doch hor' meinen Schwur Fur den Frieden zu kampfen und wachsam zu sein: Fallt die Menschheit noch einmal auf Lugen herein Dann kann es gescheh'n, daß bald niemand mehr lebt Miemand, der die Milliarden von Toten begrabt Doch finden sich mehr und mehr Menschen bereit Diesen Krieg zu verhindern, es ist an der Zeit |
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from Hannes Wader - Dass Nichts Bleibt Wie Es War (2001)
Sag, bist du bereit
Dich mit aller Kraft zu wehren Sie bekampfen, zu besteh'n? Du hast Mut genug Willst du unsern langen schweren Weg Gemeinsam mit uns geh'n? Oder willst du deine Kraft verschwenden Im Alleingang gegen eine ganze Welt Um zum Schluss in traurigen Legenden Darzusteh'n als gescheiterter Held? Leben einzeln und frei Wie ein Baum und dabei Bruderlich wie ein Wald Diese Sehnsucht ist alt Sie gibt uns Halt In unserem Kampf Gegen die Dummheit, den Hass, die Gewalt Wir Gefahrten im Zorn Wir Gefahrten im Streit Mit uns kampft die Vernunft und die Zeit Sag, bist du bereit Dich mit aller Kraft zu wehren Sie bekampfen, zu bestehn? Du hast Mut genug Willst du unsern langen schweren Weg Gemeinsam mit uns geh'n? Willst du mit uns gehen dem Sieg entgegen? Komm, wir haben keine Zeit uns auszuruh'n Nichts wird sich von selbst nach vorn bewegen Darum zahlt auch nur das, was wir tun Leben einzeln und frei Wie ein Baum und dabei Bruderlich wie ein Wald Diese Sehnsucht ist alt Sie gibt uns Halt In unserem Kampf Gegen die Dummheit, den Hass, die Gewalt Wir Gefahrten im Zorn Wir Gefahrten im Streit Mit uns kampft die Vernunft und die Zeit La, la, la, la, la . . . Leben einzeln und frei Wie ein Baum und dabei Bruderlich wie ein Wald Diese Sehnsucht ist alt Sie gibt uns Halt In unserem Kampf Gegen die Dummheit, den Hass, die Gewalt Wir Gefahrten im Zorn Wir Gefahrten im Streit Mit uns kampft die Vernunft und die Zeit |
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from Hannes Wader - Dass Nichts Bleibt Wie Es War (2001)
Ich bin ein Rohr im Wind
Bind dich nicht an an mich! Ich bin ein Rohr im Wind Bind dich nicht an an mich! Ich bin kein Halt, mein Kind Ich bin kein Halt, mein Kind Fur dein Boot und dich Ich bin ein Rohr im Wind Bind dich nicht an an mich! Ich bin ein Rohr im Wind Bind dich nicht an an mich! Ich bin kein Halt, mein Kind Ich bin kein Halt, mein Kind Fur dein Boot und dich Ich bin ein Rohr im Wind Bind dich nicht an an an mich! Ich bin ein Rohr im Wind Bind nicht an mich dein Boot! Es war' fur dich, mein Kind Es war' fur dich, mein Kind Es war' fur dich, mein Kind Und fur mich der Tod! |
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Bin auf meinem Weg
Schon so lang' Zerschlagen und trag' Schon so lang' Bin mude und leer Will nach Suden ans Meer Bin auf meinem Weg Ohne Wiederkehr Schon so lang' Seh' die Kriege, die Not Schon so lang' Ruinen und Tod Schon so lang' Seh' die Tranen, die Wut Seh' die Wunden das Blut Erwurgt und verfault Was stark war und gut Schon so lang' Seh' die Welt oft im Traum Schon so lang' Als Pilzwolkenbaum Schon so lang' Euch, ihr Herren der Welt Eure Lugen, den Mord An Millionen, die glauben An euer Wort Schon zu lang' Nicht nur Greuel gescheh'n Schon so lang' Hab' die Liebe geseh'n Schon so lang' Seh' die Hoffung, den Mut Seh' den Glauben, die Glut Und was sich in Gesichtern Von Kindern tut Schon so lang' Bin auf meinem Weg Schon so lang' Zerschlagen und trag' Schon so lang' Bin mude und leer Will nach Suden ans Meer Bin auf meinem Weg Ohne Wiederkehr Schon so lang' |
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from Hannes Wader - Dass Nichts Bleibt Wie Es War (2001)
Ich sah heut Nacht im Traum vor mir
Ein endlos weites Feld Millionen Menschen sah ich dort Aus allen Landern der Welt Ich sah im Traum die ganze Menschheit Einig und befreit Von Folter, Hass und Volkermord Fur jetzt und alle Zeit Ich sah im Traum dies' Menschenheer Bewaffnet wie zur Schlacht In dichten Reihen aufgestellt Um einen tiefen Schacht Und auf ein Zeichen warfen sie All' ihre Waffen ab Granaten, Bomben sturzten tausend Meter tief hinab Bald war der Schacht gefullt mit Kriegs- Maschinen bis zum Rand Und Menschen aller Rassen standen Lachend Hand in Hand Wohl jeder traumt den Traum vom Frieden Und es kommt die Zeit Dann wird wie jeder Menschheitstraum Der Frieden Wirklichkeit Wohl jeder traumt den Traum vom Frieden Und es kommt die Zeit Dann wird wie jeder Menschheitstraum Der Frieden Wirklichkeit |
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from Hannes Wader - Dass Nichts Bleibt Wie Es War (2001)
Es ist ein Schnee gefallen
Und fiel noch aus der Zeit Man wirft uns mit den Ballen Manch' Weg ist uns verschneit Manch' Weg ist uns verschneit Die Kalte und das Schweigen Ringsum ist viel zu alt Macht Mutigen und Feigen Das Herz, die Hande kalt Das Herz, die Hande kalt Ich lege meine Hande Auf deinen warmen Bauch Und traume von dem Ende Und von dem Anfang auch Und von dem Anfang auch Ich hor' die Wolfe heulen Und mir ist nicht sehr warm Komm, salbe mir die Beulen Und nimm mich in den Arm Und nimm mich in den Arm Und sing die alte Weise Dass bald der Fruhling naht Und unterm Schnee und Eise Schon grunt die neue Saat Schon grunt die neue Saat Dann wollen wir uns walzen Nach einem heißen Bad Im Schnee, und der wird schmelzen Weil er zu schmelzen hat Weil er zu schmelzen hat |
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from Hannes Wader - Liederbuch (2006)
Ob wir rote, gelbe Kragen
Helme oder Hute tragen Stiefel tragen oder Schuh' Oder ob wir Rocke nahen Und zu Schuhen Drahte drehen Das tut, das tut nichts dazu! Ob wir konnen prasidieren Oder mussen Akten schmieren Ohne Rast und ohne Ruh' Ob wir just Collegia lesen Oder aber binden Besen Das tut, das tut nichts dazu! Ob wir stolz zu Rosse reiten Oder ob zu Fuß wir schreiten Immer unser'm Ziele zu Ob uns Kreuze vorne schmucken Oder Kreuze hinten drucken Das tut, das tut nichts dazu! Aber ob wir Neues bauen Oder Altes nur verdauen Wie das Gras verdaut die Kuh Ob wir in der Welt was schaffen Oder nur die Welt begaffen Das tut, das tut was dazu! Ob wir rustig und geschaftig Wo es gilt zu wirken kraftig Immer tapfer greifen zu Oder ob wir schlafrig denken: ?Gott wird's schon im Schlafe schenken.“ Das tut, das tut was dazu! Drum ihr Burger, drum ihr Bruder Alle eines Bundes Glieder Was auch jeder von uns tu' Alle, die dies Lied gesungen So die Alten, wie die Jungen Tun wir, tun wir was dazu! Alle, die dies Lied gesungen So die Alten, wie die Jungen Tun wir, tun wir was dazu! |
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Wacht auf, Verdammte dieser Erde
Die stets man noch zum Hungern zwingt! Das Recht wie Glut im Kraterherde Nun mit Macht zum Durchbruch dringt Reinen Tisch macht mit den Bedrangern! Heer der Sklaven, wache auf! Ein Nichts zu sein, tragt es nicht langer Alles zu werden, stromt zuhauf! Volker, hort die Signale! Auf, zum letzten Gefecht! Die Internationale Erkampft das Menschenrecht! Es rettet uns kein hoh’res Wesen Kein Gott, kein Kaiser, noch Tribun Uns aus dem Elend zu erlosen Konnen wir nur selber tun! Leeres Wort: des Armen Rechte! Leeres Wort: des Reichen Pflicht! Unmundig nennt man uns und Knechte Duldet die Schmach nun langer nicht! Volker, hort die Signale! Auf, zum letzten Gefecht! Die Internationale Erkampft das Menschenrecht! In Stadt und Land, ihr Arbeitsleute Wir sind die starkste der Partei'n Die Mußigganger schiebt beiseite! Diese Welt muss unser sein! Unser Blut sei nicht mehr der Raben Und der nacht’gen Geier Fraß! Erst wenn wir sie vertrieben haben Dann scheint die Sonn’ ohn Unterlass! Volker, hort die Signale! Auf, zum letzten Gefecht! Die Internationale Erkampft das Menschenrecht! Volker, hort die Signale! Auf zum letzten Gefecht Die Internationale Erkampft das Menschenrecht |
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Wohin auch das Auge blicket
Moor und Heide nur ringsum Vogelsang uns nicht erquicket Eichen stehen kahl und krumm Wir sind die Moorsoldaten Und ziehen mit dem Spaten Ins Moor Wir sind die Moorsoldaten Und ziehen mit dem Spaten Ins Moor Hier in dieser oden Heide Ist das Lager aufgebaut Wo wir frei von jeder Freude Hinter Stacheldraht verstaut Wir sind die Moorsoldaten Und ziehen mit dem Spaten Ins Moor Wir sind die Moorsoldaten Und ziehen mit dem Spaten Ins Moor Morgens ziehen die Kolonnen Durch das Moor zur Arbeit hin Graben bei dem Brand der Sonne Doch zur Heimat steht der Sinn Wir sind die Moorsoldaten Und ziehen mit dem Spaten Ins Moor Wir sind die Moorsoldaten Und ziehen mit dem Spaten Ins Moor Auf und nieder geh'n die Posten Keiner, keiner kann hindurch! Flucht wird nur das Leben kosten Vierfach ist umzaunt die Burg Wir sind die Moorsoldaten Und ziehen mit dem Spaten Ins Moor Wir sind die Moorsoldaten Und ziehen mit dem Spaten Ins Moor Doch fur uns gibt es kein Klagen Ewig kann nicht Winter sein! Einmal werden froh wir sagen Heimat du bist wieder mein! Dann zieh'n die Moorsoldaten Nie mehr mit dem Spaten Ins Moor Dann zieh'n die Moorsoldaten Nie mehr mit dem Spaten Ins Moor |
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Ich kam von Frankfurt nach Berlin
Drei Koffer voll mit Kokain Cocaine, all around my brain Hallo Taxi, schnell zum Ku'damm, Ecke Tauentzien Meine Frau und meine Kinder schrei'n nach Kokain Cocaine, all around my brain Hm, hm, hm, hey! Oh Mama, komm schnell her Halt mich fest, ich kann nicht mehr Cocaine, all around my brain Meine Frau heisst Evelyn Ich weiss nicht, liebt sie mich oder mehr mein Kokain Cocaine, all around my brain ?Liebster“, sagt sie, ?Rate mal, was kitzelt so schon In der Nase, schmeckt nach Scheisse, wirkt wie Arsen?“ Cocaine, all around my brain Hm, hm, hm, hey! Oh Mama, komm schnell her Halt mich fest, ich kann nicht mehr Cocaine, all around my brain Mein Sohn ist zwolf und ewig angetornt Ich verbiet' es ihm, damit er endlich laufen lernt Cocaine, all around my brain Seit gestern weiss er endlich, wer ich bin Wenn er mich sieht, dann ruft er: ?Pappa, hattu Kokain?“ Cocaine, all around my brain Hm, hm, hm, hey! Oh Mama, komm schnell her Halt mich fest, ich kann nicht mehr Cocaine, all around my brain Meine kleine Tochter ist jetzt grad' Auf 'nem Trip, den sie letztes Jahr schon eingepfiffen hat Cocaine, all around my brain Sie sieht aus, als war' sie dreissig Und sie macht auf zwanzig, dabei ist sie acht Cocaine, all around my brain Hm, hm, hm, hey! Oh Mama, komm schnell her Halt mich fest, ich kann nicht mehr Cocaine, all around my brain Meine Tante dealt seit einem Jahr Seitdem geht sie uber Leichen, fahrt 'nen Jaguar Cocaine, all around my brain Immer wenn sie kommt, bringt sie ein Stuckchen Shit In der Radkappe fur die Kinder mit Cocaine, all around my brain Hm, hm, hm, hey! Oh Mama, komm schnell her Halt mich fest, ich kann nicht mehr Cocaine, all around my brain Mein Onkel kam vom Alkohol zum Kokain Jetzt will er sich das Kokain mit Schnaps entzieh'n Cocaine, all around my brain Seit gestern liegt er im Delirium Ab morgen steigt er wieder auf die Droge um Cocaine, all around my brain Hm, hm, hm, hey! Oh Mama, komm schnell her Halt mich fest, ich kann nicht mehr Cocaine, all around my brain Opa hat den Gilb, wartet auf den Tod Freut sich auf Jimi Hendrix und den lieben Gott Cocaine, all around my brain Oma geht es augenblicklich auch nicht gut Seit ihrem letzten Flash spuckt sie nur noch Blut Cocaine, all around my brain Ich merke schon, dass ich jetzt aufhor'n muss Oh Mama, Mama, Mama, komm mach mir 'nen Schuss Mit Morphium und Heroin Opium und Rosimon Oder gib mir Lysergsaurediathylamid Mescalin und Nepalshit La, la, la . . . |
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Sag, wie lange haben dein Fuße die nackte Erde schon nicht mehr beruhrt
Haben Jahr und Tag nur Totenstarren, Beton und Asphalt unter sich gespurt Nun grabst du endlich wieder deine Zehen, so tief du kannst, in kuhlen nassen Sand Die See fullt deine Spuren mit ihrem Wasser und glattet vor und hinter dir den Strand Und schon morgen sollen alle sieben Meere aus denen einmal alles Leben kam Auch anderen die schlecht verheilten Wunden von Stiefeltritten, Schlagen, allem Gram Aus den Gesichtern waschen und ertranken, was Gestern noch all ihre Krafte nahm Wie lange hast du schon in Vollmondnachten, bei Sturmflut in die Brandung brullen woll'n Wie Sanger alter Zeit mit ihren Stimmen den Sturm herausgefordert haben soll'n Nun wurgen dich die Boen und stoßen dir deinen Schrei tief in den Hals zuruck Und reißen ihn dir wieder aus dem Rachen, zerfetzen ihn im nachsten Augenblick Und schon morgen soll ein großer Sturm aufkommen und auch and're wagen es herauszuschrei'n Was sie beleidigt, alle Furcht vergessend und keinem bricht der Sturm das Zungenbein Doch ihre Schreie packt er und die werden dann uberall im Land zu horen sein Doch ihre Schreie packt er und die werden dann uberall im Land zu horen sein |
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Ich sah heut Nacht im Traum vor mir
Ein endlos weites Feld Millionen Menschen sah ich dort Aus allen Landern der Welt Ich sah im Traum die ganze Menschheit Einig und befreit Von Folter, Hass und Volkermord Fur jetzt und alle Zeit Ich sah im Traum dies' Menschenheer Bewaffnet wie zur Schlacht In dichten Reihen aufgestellt Um einen tiefen Schacht Und auf ein Zeichen warfen sie All' ihre Waffen ab Granaten, Bomben sturzten tausend Meter tief hinab Bald war der Schacht gefullt mit Kriegs- Maschinen bis zum Rand Und Menschen aller Rassen standen Lachend Hand in Hand Wohl jeder traumt den Traum vom Frieden Und es kommt die Zeit Dann wird wie jeder Menschheitstraum Der Frieden Wirklichkeit Wohl jeder traumt den Traum vom Frieden Und es kommt die Zeit Dann wird wie jeder Menschheitstraum Der Frieden Wirklichkeit |
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Einmal kam sie auf ein Glas Wein
Zu mir herein, zu mir herein Sie schaute sich um, spuckte kraftig in die Hande Und brachte Ordnung in meine vier Wande! Alle Sofakissen hatte sie geschickt Und sauber in der Mitte geknickt! Ich weiß, so ein Madchen ist eigentlich Viel zu schade fur mich Viel zu schade fur mich! Dann stand sie und wischte, auf der Fensterbank Alle Scheiben blank, alle Scheiben blank! Soviel Fleiß ist Gabe, nicht anerzogen Und statt der Muttermilch eingesogen! Endlich war alles sauber und geputzt ? Nur hatte sie ihr neues Kleidchen beschmutzt! Ich weiß, so ein Madchen ist eigentlich Viel zu schade fur mich Viel zu schade fur mich! Sie hangte das Kleidchen mit den Flecken drin Zum trocknen hin, zum trocknen hin Da sah ich, dass sie selbstgestrickte Hosen trug Geraumig und warm, zum Schutz gegen Zug! Die konnte sie, wenn sie wollte, von den Knien Bequem bis unter die Achseln zieh'n! Ich weiß, so ein Madchen ist eigentlich Viel zu schade fur mich Viel zu schade fur mich! Sie hatte ihre Zahnburste mitgebracht Und blieb uber Nacht, und blieb uber Nacht Sie weinte, weil ich sagte, dass sie Ruhe geben sollte Als sie ein paar Kunststuckchen vorfuhren wollte Einem Buch “Gluck zu zweit” ? oder so ? entnommen ? An jedem Bahnhof kann man es bekommen! Ich weiß, so ein Madchen ist eigentlich Viel zu schade fur mich Viel zu schade fur mich! Ich sagte ihr, dass sie nichts zu weinen hatte In meinem Bette, in meinem Bette! ?Warte bis morgen, dann triffst du hier Einen Freund von mir, der ist netter zu dir!“ ? Jetzt wohnt sie bei ihm, hat ihm langst geschickt Die Nummes seines Autos auf ein Kissen gestickt! Ich weiß, dieses ein Madchen war eigentlich Viel zu schade fur mich Viel zu schade fur mich! |
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Wie schon bluht uns der Maien
Der Sommer fahrt dahin Mir ist ein schones Jungfraulein Gefallen in meinen Sinn Bei ihr da war' mir wohl Wenn ich nur an sie denke ? Mein Herz ist freudevoll! Bei ihr, da war' ich gerne Bei ihr, da war' mir wohl Sie ist mein Morgensterne Strahlt mir ins Herz so voll Sie hat ein' roten Mund Tat ich sie darauf kussen ? Mein Herz wurd' mir gesund! Wollt Gott, ich fande im Garten Drei Rosen an einem Zweig Ich wollte auf sie warten ? Ein Zeichen war mir's gleich Das Morgenrot ist weit Es streut schon seine Rosen ? Ade, du schone Maid! |
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from Hannes Wader - Nie Mehr ZurüCk (2006)
Kirschbaume bluhen im Januar
und milde Winde wehn seit Neujahr wie viele Winter wollte ich schon mit Dir einen Schneemann bauen, mein Sohn? mit Deinem Schlitten seh ich Dich nun im Regen stehn hast im Leben noch nie Schnee gesehn Habe selbst fast vergessen, was Eisblumen sind die ich an die Schreiben hauchte als Kind habe seitdem nur immer durch Fenster geschaut die niemals beschlagen, ob es friert oder taut dass alles Neue das Alte verdrangt hab ich immer gewusst und doch spure ich auch den Verlust Sommer und Winter, der Tag und die Nacht der Wind und der Regen, von Menschen gemacht es scheint sich die Erde wie im Fieber zu drehn Eisberge schmelzen, neue Wusten entstehn fur meine Kinder wunschte ich mir schon eien warmere Welt hab sie mir nur nicht so vorgestellt |
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from Hannes Wader - Nie Mehr ZurüCk (2006)
Wie alle Menschen nackt geboren
was besser hieße ausgesetzt bin ich bis heute nackt geblieben ungeschutzt und oft verletzt Ein Krebs bin ich und zwar von jener Art, die ihre Bloße meist in Schneckenhausern, leeren Muscheln versteckt, doch selber gerne beißt Hab mich, weil ich nicht kriechen wollte quer und seitwarts fortbewegt und so die mir bemessne Strecke mehr als halb zuruckgelegt Dieser muhevolle Krebsgang farbt mir Bart und Schlafen grau tappte in so manche Falle wurde erst durch Prugel schlau Leichtglaubig bin ich oft gewesen bin Phantomen nachgerannt habe Freunde, die mich liebten oft als solche nicht erkannt Die bitte ich jetzt um Vergebung ich sehe meine Fehler ein doch wenn sie nicht vergessen wollen muss ich mir eben selbst verzeihn |
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from Hannes Wader - Nie Mehr ZurüCk (2006)
Bin mal mutig, mal feige, mal dumm und mal weise
Und zahle dafur meinen Preis Die Strategen und Denker unterrichteter Kreise Wissen auch nicht viel mehr als ich weiß All die nuchternen Rechner, die coolen Gewinner Die Durchblicker, kommen und geh'n Und ich werde wohl wieder auf Seiten der Spinner Der Narren und Traumtanzer steh'n Manche sagen, die Menschheit ist langst auf dem Wege Fur immer zu Grunde zu geh'n Drehen heut' schon die Fakten, erbringen Belege Fur die Greuel, die morgen gescheh'n All die nuchternen Rechner, die coolen Gewinner Die Durchblicker, kommen und geh'n Und ich werde wohl wieder auf Seiten der Spinner Der Narren und Traumtanzer steh'n Wer hat Recht, wer hat Unrecht? Wer ist Opfer, wer Tater? Glucklich, wer das beantworten kann Und wenn wir es wissen, nicht jetzt, eher spater Dann kommt's vielleicht nicht mehr drauf an All die nuchternen Rechner, die coolen Gewinner Die Durchblicker, kommen und geh'n Und ich werde wohl wieder auf Seiten der Spinner Der Narren und Traumtanzer steh'n All die nuchternen Rechner, die coolen Gewinner Die Durchblicker, kommen und geh'n Und ich werde wohl wieder auf Seiten der Spinner Der Narren und Traumtanzer steh'n Bin mal mutig, mal feige, mal dumm und mal weise Und zahle dafur meinen Preis Die Strategen und Denker unterrichteter Kreise Wissen auch nicht viel mehr als ich weiß All die nuchternen Rechner, die coolen Gewinner Die Durchblicker, kommen und geh'n Und ich werde wohl wieder auf Seiten der Spinner Der Narren und Traumtanzer steh'n All die nuchternen Rechner, die coolen Gewinner Die Durchblicker, kommen und geh'n Und ich werde wohl wieder auf Seiten der Spinner Der Narren und Traumtanzer steh'n |
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from Hannes Wader - Bis Jetzt/Live (2006)
Es wird Abend, siehst du auch die alten Weiden dort am Fluss?
Komm, in ihrem Schatten kuhlst du deinen muden Fuß Wie die Weiden ihre Zweige, sieh, wie dicht sie sind und schwer Fur die Nacht sind wir geborgen Unsre Angste vor dem Morgen Tragt der Strom bis in das Meer Und es kammt ein sanfter Wind das grune Haar der Trauerweiden Horst du auch die Stimme, dieses Raunen uberm Fluss? Lauschen will ich, nur nicht fragen: Was wird aus uns beiden? Weil ich weiß, dass ich mich vor der Antwort furchten muss Diese Glut am Horizont, und die Luft, die brandig riecht Truber Dunst vom ander'n Ufer, der zu uns heruberkriecht Lass uns ruhig warten, spater, wenn der Wind sich dreht Wirst du, so wie ich, erkennen Dass nur Stoppelfelder brennen Und nur die Sonne untergeht Und es kammt ein sanfter Wind das grune Haar der Trauerweiden Horst du auch die Stimme, dieses Raunen uberm Fluss? Lauschen will ich, nur nicht fragen: Was wird aus uns beiden? Weil ich weiß, dass ich mich vor der Antwort furchten muss Nahes Rufen, Hundebellen, und jetzt fallt ein Schuss ? Mein Knie, es schmerzt, es fallen rote Tropfen in den Fluss Nein, noch fließt kein Blut, der Krampf lost sich in meinem Bein In den Ufersand geflossen Ungeschickt von mir vergossen Ist nur der Rest von unserm Wein Und es kammt ein sanfter Wind das grune Haar der Trauerweiden Horst du auch die Stimme, dieses Raunen uberm Fluss? Lauschen will ich, nur nicht fragen: Was wird aus uns beiden? Weil ich weiß, dass ich mich vor der Antwort furchten muss Kennst du das Lied von jenem Weisen, der am Wasser saß Nach Jahr und Tag die Namen seiner Feinde fast vergaß Und sie am Ende tot im Strom vorubertreiben sah? Aber nein, wir sind nicht weise Unsre Feinde ? sprich jetzt leise! ? Leben, und sie sind ganz nah! Und es kammt ein sanfter Wind das grune Haar der Trauerweiden Horst du auch die Stimme, dieses Raunen uberm Fluss? Lauschen will ich, nur nicht fragen: Was wird aus uns beiden? Weil ich weiß, dass ich mich vor der Antwort furchten muss |
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from Hannes Wader - Bis Jetzt/Live (2006)
Ich kam mit einem kleinen Strauß
Ins Haus der Schonen Ins Haus der Schonen Fand alle Kristalle gefullt mit Nelken So eitel, als brauchten sie nie zu welken Geschnitten im Garten des Reichen Im Garten des Reichen! Kein Platz fur die Blumen eines Armen Die nur nach Jugend duften! Kein Platz fur die Blumen eines Armen Die nur nach Jugend duften! Ich kam mit einem kleinen Ring Ins Haus der Schonen Ins Haus der Schonen Fand ihre Glieder in Gold gefasst Von schlaffen Handen ihr angepasst Aus den Schatzen des Reichen Den Schatzen des Reichen! Kein Platz fur den kleinen Ring eines Armen Auf dem seine Jugend funkelt! Kein Platz fur den kleinen Ring eines Armen Auf dem seine Jugend funkelt! Ich kam mit einer kleinen Hoffnung Ins Haus der Schonen Ins Haus der Schonen Fand sie in Schleier und Myrthen gehullt ? Man gab mir ein Glas, mit Wein gefullt ? Die Hochzeit des Reichen Die Hochzeit des Reichen! Kein Platz fur die kleine Hoffnung des Armen Der nichts hat als seine Jugend! Kein Platz fur die kleine Hoffnung des Armen Der nichts hat als seine Jugend! Als ich mit leeren Handen kam Ins Haus der Schonen Ins Haus der Schonen Fand ich sie getaucht in Reichtum und Glanz ? Der Reiche ging bei hochster Instanz Um ein klein wenig Jugend zu bitten Um Jugend zu bitten! Hier ist ein Platz fur die Gabe des Armen Vom Uberfluss seiner Jugend! Hier ist ein Platz fur die Gabe des Armen Vom Uberfluss seiner Jugend! |
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from Hannes Wader - Bis Jetzt/Live (2006)
Fruher lief hier einer rum, es ist schon ziemlich lange her
Einer, der sich Charley nannte, viele wissen's gar nicht mehr Ein paar And're, ich bin sicher, die erinnern sich noch gut An seine Hinterhaltigkeit und ihre Angst vor seiner Wut Manchmal blieb er ein paar Wochen, mal verschwand er fur ein Jahr Salz und Sonne in der Haut und mit ausgeblich'nem Haar War er plotzlich, stark wie immer, nach 'ner Weile wieder hier Fur uns Jungs war er der Konig, fur die Alten mehr ein Tier Alle haben es bemerkt, wie gut sein Blumenhemd ihm stand Mit Lochern drin, ganz heimlich mit 'ner Kippe reingebrannt Was aussah, dass fast jeder sie fur Einschusslocher hielt Und der Sohn vom Apotheker hat sofort danach geschielt Er kaufte Charleys Hemd zu einem unverschamten Preis Trug es schmutzig, wie es war, mitsamt den Lochern und dem Schweiß Sicher hat er fest geglaubt, er brauche es nur anzuzieh'n Und Charleys Kraft und Schonheit ubertrugen sich auf ihn Viele Madchen rissen wegen Charley von zu Hause aus Er nahm das als selbstverstandlich, machte sich nicht viel daraus Doch nicht nur besonders wilde, freche Madchen wollten ihn Sogar brave, graue Mause wurden scharf, wo er erschien Eine sah ich, wie sie mehrmals dicht an ihm voruberlief Jedes Mal bei seinem Blick die Schenkel fest zusammenkniff Spater tat, als sei er Luft fur sie, weil sie ihn nie bekam Und sich irgendeinen Ander'n, den sie kriegen konnte, nahm Dieses Madchen, was liegt naher, nahm sich ausgerechnet den Der die Apotheke erbte, neulich hab' ich ihn geseh'n Er sah anders aus als fruher, als ihm immer, wo er ging Charleys Fetzenhemd an seinem schlotternden Gerippe hing Heute knicken seine Beine, ahnlich wie bei einem Schwein Unter dem Gewicht der Huften, mehr und mehr nach innen ein Und die Kinder auf der Straße woll'n ihn nackig sehn und gern Seine Knie, wenn er geht, aneinanderklatschen hor'n Horst du, Charley, was mir dieser Mensch berichtet hat! Du warst jetzt auch schon so wie er, so sauber, sanft und satt Auch dein Name war' jetzt anders, nicht mehr Charley, sondern Karl Und Alles liefe, wie es sein soll, ruhig und normal Weißt du, Charley, was du tust, geht mich schon lange nichts mehr an Nur schade, dass so einer sich mit dir vergleichen kann Einer der, obwohl er wollte, nie wie du gewesen ist Soll nicht sagen durfen, dass du so wie er geworden bist |
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| from Hannes Wader - Bis Jetzt/Live (2006) | |||||
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from Hannes Wader - Bis Jetzt/Live (2006)
Fast jeder weiß was in Hameln geschah, vor tausend und einem Jahr
Wie die Ratten dort hausten, die alles fraßen was nicht aus Eisen war Zu dieser Zeit kam ich nach langer Fahrt als Spielmann in diese Stadt Und ich horte als erstes den Herold schreien, als ich den Markt betrat Wer mit Gottes Hilfe oder allein die Stadt von den Ratten befreit Fur den lagen ab nun beim Magistrat hundert Taler in Gold bereit Ich packte mein Bundel, die Flote und Leier und klopfte ans Rathaustor Kaum sah man mich schlug man die Tur wieder zu und legte den Riegel vor Und ich horte wie man den Herren sagte, es stunde ein Mann vor dem Tor Zerrissen und stinkend in bunte Lumpen, mit einem Ring im Ohr Dieser Mann nun ließe den Herren sagen, er kame von weit, weit her Und er bote der Stadt seine Hilfe, weil er ein Rattenfanger war Ich wartete lange, dann rief eine Stimme durch die geschlossene Tur: ?Vernichte die Ratten und du bekommst die versprochenen Taler dafur!“ Und ich ging und blies in der Nacht die Flote, immer nur einen einzigen Ton Der so hoch war, dass nur die Ratten ihn horten, und keine kam davon Bis hinein in die Weser folgte mir bald die ganze quiekende Brut Und an Morgen trieben dann hunderttausend Kadaver in der Flut Als die Hamelner Burger horten, was alles geschehen war in der Nacht Tanzten sie auf den Straßen, nur an mich hat keiner gedacht Und als ich dann wieder vorm Rathaus stand und forderte meinen Lohn Schlug man auch diesmal die Tur vor mir zu und erklarte mir voller Hohn Nur der Teufel konne bei meiner Arbeit im Spiel gewesen sein Deshalb sei es gerecht ich triebe bei ihm meine hundert Taler ein Doch ich blieb und wartete Stunde um Stunde bis zum Abend vor jenem Haus Aber die Ratsherren die drinnen saßen, trauten sich nicht heraus Als es Nacht war kamen bewaffnete Kerle, ein dutzend oder mehr Die schlugen mir ihre Spieße ins Kreuz und stießen mich vor sich her Vor der Stadt hetzten sie ihre Hunde auf mich und die Bestien schonten mich nicht Sie rissen mich um und pissten mir noch ins blutende Gesicht Als der Mond schien flickte ich meine Lumpen, wusch meine Wunden im Fluss Und weinte dabei vor Schwache und Wut, bis der Schlaf mir die Augen schloss Doch noch einmal ging ich zuruck in die Stadt und hatte dabei einen Plan Denn es war Sonntag, die Burger traten eben zum Kirchgang an Nur die Kinder und die Alten blieben an diesem Morgen allein Und ich hoffte, die Kinder wurden gerechter, als ihre Vater sein Ich hatte vorher mein zerfleischtes Gesicht mir bunten Farbe bedeckt Und mein Wams, damit man die Locher nicht sah, mit Hahnenfedern besteckt Und ich spielte und sang, bald kamen die Kinder zu mir von uberall her Horten was ich sang mit Emporung und vergaßen es nie mehr Und die Kinder beschlossen mir zu helfen und nicht mehr zuzusehen Wo Unrecht geschieht, sondern immer gemeinsam dagegen anzugehen Und die Hamelner Kinder hielten ihr Wort und bildeten ein Gericht Zerrten die Bosheit und die Lugen ihrer Vater ans Licht Und sie weckten damit in ihren Eltern Betroffenheit und Scham Und weil er sich schamte, schlug manch ein Vater sein Kind fast krumm und lahm Doch mit jeder Misshandlung wuchs der Mut der Kinder dieser Stadt Und die hilflosen Burger brachten die Sache vor den hohen Rat Es geschah was heute noch immer geschieht, wo Ruhe mehr gilt als Recht Denn wo die Herrschenden Ruhe wollen, geht's den Beherrschten schlecht So beschloss man die Vertreibung einer ganzen Generation In der Nacht desselben Tages begann die schmutzige Aktion Gefesselt und geknebelt, von den eigenen Vatern bewacht Hat man die Kinder von Hameln ganz heimlich aus der Stadt gebracht Nun war wieder Ruhe in der Stadt Hameln, fast wie in einem Grab Doch die Niedertracht bluhte, die Ratsherren fassten eilig ein Schreiben ab Das wurde der Stadtchronik beigefugt, mit dem Stempel des Landesherren Und besagt, dass die Kinder vom Rattenfanger ermordet worden war'n Doch die Hamelner Kinder sind nicht tot, zerstreut in alle Welt Haben auch sie wieder Kinder gezeugt, ihnen diese Geschichte erzahlt Denn auch heute noch setzen sich Menschen fur die Rechte Schwacherer ein Diese Menschen konnten wohl die Erben der Hamelner Kinder sein Doch noch immer herrscht die Luge uber die Wahrheit in der Welt Und solange die Gewalt und Angst die Macht in Handen halt Solange kann ich nicht sterben, nicht ausruhen und nicht fliehen Sondern muss als Spielmann und Rattenfanger immer weiter ziehen Denn noch nehmen Menschen Unrecht als Naturgewalt in Kauf Und ich hetze noch heute die Kinder dagegen immer wieder auf Und ich hetze noch heute die Kinder dagegen immer wieder auf |
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from Hannes Wader - Bis Jetzt/Live (2006)
Nun Freunde, lasst es mich einmal sagen:
Gut wieder hier zu sein, gut euch zu seh'n Mit meinen Wunschen, mit meinen Fragen Fuhl' ich mich nicht allein, gut euch zu seh'n Wer daran glaubt, alle Gefahren Nur auf sich selbst gestellt zu ubersteh'n Muss einsam werden und mit den Jahren Auch an sich selbst zugrunde geh'n Nun Freunde, lasst es mich einmal sagen: Gut wieder hier zu sein, gut euch zu seh'n Mit meinen Wunschen, mit meinen Fragen Fuhl' ich mich nicht allein, gut euch zu seh'n Und weiß ich heute auf meine Sorgen Und Angste keine Antwort mehr Dann seid ihr da, schon trag' ich morgen An allem nur noch halb so schwer Nun Freunde, lasst es mich einmal sagen: Gut wieder hier zu sein, gut euch zu seh'n Mit meinen Wunschen, mit meinen Fragen Fuhl' ich mich nicht allein, gut euch zu seh'n Und soll mein Denken zu etwas taugen Und sich nicht nur im Kreise dreh'n Will ich versuchen, mit euren Augen Die Wirklichkeit klarer zu seh'n Nun Freunde, lasst es mich einmal sagen: Gut wieder hier zu sein, gut euch zu seh'n Mit meinen Wunschen, mit meinen Fragen Fuhl' ich mich nicht allein, gut euch zu seh'n |
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from Hannes Wader - Bis Jetzt/Live (2006)
An tausend Meilen hast du heut' schon hinter dich gebracht
Es ist spat, du suchst und findest eine Bleibe fur die Nacht Von alldem, was du schon geseh'n und nicht begriffen hast Bist du todmude, sehnst dich nur nach einer langen Rast Dies' Hotel, die trube Funzel in dem engen Korridor Kommen dir, als du dich umsiehst, schon nicht ganz geheuer vor Und dann weißt du es genau, als du die Zimmertur aufschließt Dass du vor langer Zeit schon einmal hier gewesen bist Schlaf nicht ein im Hotel zur langen Dammerung, bleib wach Denn der Atem toter Seelen staut sich unter diesem Dach Und frisst sich, wenn du schlafst, so tief in Hirn und Lungen fest Dass du dieses Haus nur sterbend, oder tot wieder verlasst Und du sitzt und wachst und wartest, doch die Zeit will nicht vergeh'n Und dir ist, als konntest du auf einmal durch die Wande seh'n Siehst ein Zimmer, so wie deins und ein Junge kommt herein Du erschrickst und meinst, du selber konntest dieser Junge sein: Große Fuße, große Augen, von zu Hause durchgebrannt Haar und Hosen viel zu kurz, wie es noch Brauch ist auf dem Land Alles liebend ohne Furcht, was neu und fremd ist um ihn her Und du fragst dich, ob du je so jung gewesen bist wie der Schlaf nicht ein im Hotel zur langen Dammerung, bleib wach Denn der Atem toter Seelen staut sich unter diesem Dach Und frisst sich, wenn du schlafst, so tief in Hirn und Lungen fest Dass du dieses Haus nur sterbend, oder tot wieder verlasst In dem Raum gleich nebenan siehst du dich als alten Mann Einsam und verbittert, krank und ohne einen Zahn Und der wackelt mit dem Schadel, halt die Bibel auf den Knien Seine durren Spinnenfinger blattern aufgeregt darin Ganze Satze streicht er aus mit seinem Rotstift in der Hand Und schreibt dafur, bose flusternd, wilde Fluche an den Rand Und schon bluten seine Finger, zucken weiter wie im Krampf ? Du gibst ihm noch eine Stunde, und dann endet dieser Kampf Ja, schlaf nicht ein im Hotel zur langen Dammerung, bleib wach Denn der Atem toter Seelen staut sich unter diesem Dach Und frisst sich, wenn du schlafst, so tief in Hirn und Lungen fest Dass du dieses Haus nur sterbend, oder tot wieder verlasst Auch der Junge schlaft noch nicht, nimmt sein Instrument und spielt Dazu schreibt er etwas auf, bringt in Reime, was er fuhlt Falsche Tone, schlechte Verse ? es ist gleich wie gut er's macht Denn nur schreibend, spielend, singend ubersteht er diese Nacht Das macht durstig, und er dreht an dem Wasserhahn, der spritzt Etwas aus, was nach dem riecht, was ein Sterbender ausschwitzt Und du wunschst dir, dass er statt zu trinken in das Becken schifft Und er tut's und bleibt fur diesmal noch verschont von diesem Gift Doch schlaf nicht ein im Hotel zur langen Dammerung, bleib wach Denn der Atem toter Seelen staut sich unter diesem Dach Und frisst sich, wenn du schlafst, so tief in Hirn und Lungen fest Dass du dieses Haus nur sterbend, oder tot wieder verlasst Deine Uhr zeigt erst auf drei, sie blieb schon vor Stunden steh'n Sie schlaft den langen Schlaf und wird nie mehr wieder geh'n Es wird Morgen, Junge, nimm jetzt deine Brocken, du musst fort Da ist ein Park mit einem Brunnen, trink und wasch dich dort Du wirst doch noch And're finden, die sind auch so jung wie du Die erklaren dir die Welt, hore ihnen ruhig zu Dann wirst du weiterzieh'n, viel seh'n, doch das Wenigste versteh'n Und nach Jahren vielleicht nochmal uber diese Schwelle geh'n Dann schlaf nicht ein im Hotel zur langen Dammerung, bleib wach Denn der Atem toter Seelen staut sich unter diesem Dach Und frisst sich, wenn du schlafst, so tief in Hirn und Lungen fest Dass du dieses Haus nur sterbend, oder tot wieder verlasst |
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| from Hannes Wader - Bis Jetzt/Live (2006) | |||||
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| from Hannes Wader - Bis Jetzt/Live (2006) | |||||
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| from Hannes Wader - Bis Jetzt/Live (2006) | |||||
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from Hannes Wader - Bis Jetzt/Live (2006)
Ich bin unterwegs nach Suden und will weiter bis ans Meer
Will mich auf heiße Kiesel legen, und dort brennt die Sonne mir Die Narben aus dem Nacken, jeden Kratzer, jeden Fleck Dass von den tausend Handen, die mich das ganze Jahr Befingert und geschlagen haben, keine Spur mehr ubrig bleibt Und wenn der Wind mir fetzenweise meine alte, tote Haut Vom Rucken fegt als weiße Asche, steh' ich auf und bin gesund Ich bin unterwegs nach Suden und will weiter bis ans Meer Doch ich bin langst nicht mehr sicher, ob die Sonne diesmal hilft Sie brennt so heiß wie immer, aber unter meinem Hemd Spur' ich, wie die Kalte meine Haut zusammenzieht Aber der Schweiß in meinen Stiefeln kocht und frißt an meinen Zeh'n Und von dort, woher ich komme, tragt der Wind mir den Geruch Von halb vergess'ner alter Angst, von Hass und Ekel wieder zu Ich bin unterwegs nach Suden will nicht weiter bis ans Meer Ich bin mude, will nur schlafen. Morgen, morgen schreibe ich Meine Traume auf und sehe wie in der Vergangenheit Der Schmutz in meinen Eingeweiden, im Ruckenmark, im Hirn Begonnen hat zu faulen und zu Gift geronnen ist Morgen werde ich dann wissen, wie es heißt, woher es kommt Und wenn ich erst den Namen kenne, bringt dies Gift mich nicht mehr um |
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| from Hannes Wader - Bis Jetzt/Live (2006) | |||||
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from Hannes Wader - Der Rebell (2006)
An einem truben Tag, als er gerade vierzehn war
Eben wuchs auf seiner Brust das erste blasse Haar Spielte er fur sich im Wald, da rief sein Vater ihn herein Brachte ihn zu seiner Mutter, ließ ihn dann mit ihr allein Den Kopf mit Waldgeschichten voll gestopft bis an den Rand Drei Federn noch im Schopf, Pfeil und Bogen in der Hand Stand er da ganz nackt und seine knochige Gestalt War von Kopf bis Fuß mit bunten Kriegszeichen bemalt Seine Mutter strich um ihn herum und deutete dann Mit dem Blick auf seinen rot-weiß-grun gestreiften Pillermann Sagte: ?Ach, mein Junge, wenn du schon so gerne malst und schmierst Sorge ich dafur, dass du was Kunstlerisches wirst.“ Kurze Zeit darauf fand sich ein Warenhaus bereit Ihn als Schildermaler einzustellen, mit 'ner Probezeit Er bestaunte, dass ihm tagelang der Mund weit offen stand In dem großen Hause all' die neuen Dinge, die er fand Schone Menschen gab es dort, mit Gesichtern, glatt und weich Und er schaute in den Spiegel, lief schnell weg und fragte gleich Einen unrasierten alten Mann mit einem eckigem Gesicht: ?Warum sind wir beide denn so hasslich und die Andern nicht?“ ?Wenn's dein Wunsch ist“, sprach der Mann, ?so wie die Anderen zu sein Halte dich an deinen Chef, kriech ihm einfach hinten rein! Das ubst du fleißig, bis sich dein Profil schon sanft und glatt An der Darmwand deines Vorgesetzten abgeschliffen hat!“ Und schon wandte sich der Junge an den sauberen Verein Mit dem heißen Wunsch, bald auch so'n schoner Arschkriecher zu sein Doch da zeigten sich die Menschen sehr verwundert und emport Taten so, als hatten sie dieses Wort noch nie gehort Sie packten ihn am Arm, fuhrten ihn in einen Raum Da hing ein hoher Vorgesetzter, hoher als ein Baum Von der Zimmerdecke, festgeschnallt auf einem Stutzkorsett Dessen nackter Hintern pendelte schon glanzend, bleich und fett Wie ein praller Gasballon, nur zigtausend mal so schwer Als die Tur aufging, kaum wahrnehmbar, im Luftzug hin und her Der Junge spurte, als das dicke Ding da vor ihm schwang Eine sanfte Hand im Nacken, die ihn in die Knie zwang Und da fand er sie, die Offnung, ganz tief unter, gar nicht groß Und er jauchzte laut vor Freude und sofort ließ man ihn los Er atmete tief ein, bohrte dann mit aller Macht Seinen durren Knabenkorper in den engen, dunklen Schacht Doch im nachsten Augenblick ein heißer Druck, ein Donnerschlag Und als er drauf halb betaubt in einer Ecke lag Einen Mann vor Schmerz laut brullen horte, war ihm endlich klar Dass er als Afterkriecher vollig ungeeignet war Er befuhlte sein Gesicht, es war noch alles wie vorher Nur mit der scharfen Krummung seiner Nase hatte er Dem Vorgesetzten nicht allein den Schließmuskel geritzt Sondern ihm auch noch der Lange nach den Mastdarm aufegschlitzt Voller Angst sah er jetzt, wie die schonen Menschen um ihn her Hasslich wurden und ihn schlugen, und schon spurte er nichts mehr Als er dann erwachte sah er jenen alten Mann Mit dem eckigen Gesicht, er kroch hin und schrie ihn an: ?Ich hab' die Menschen jetzt, wie sie wirklich sind, geseh'n Und ich krieche auch nie wieder, davon wird man gar nicht schon Ich will wissen, alter Mann, was ist mit den Leuten los Wenn sie schon nicht hubscher werden, warum kriechen sie denn bloß?“ ?Schwer zu sagen“, sprach der Mann, ?manch einer kriecht ja auch nicht gern Und er meint, er muss es tun, um die Familie zu ernahr'n Dem Andern macht es Spass, er schafft sich Frau und Kinder an Als Vorwand, nur damit er besser arschkriechen kann!“ |
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from Hannes Wader - Der Rebell (2006)
Auf, auf zum Kampf zum Kampf
Zum Kampf sind wir geboren Auf, auf zum Kampf zum Kampf Zum Kampf sind wir bereit Dem Karl Liebknecht dem haben wirs geschworen Der Rosa Luxemburg reichen wir die Hand Dem Karl Liebknecht dem haben wirs geschworen Der Rosa Luxemburg reichen wir die Hand Es steht ein Mann ein Mann So fest wie eine Eiche Er hat gewiss, gewiss Schon manchen Sturm erlebt Vielleicht ist er Schon morgen eine Reiche Wie es so vielen Freiheitskampfern geht Vielleicht ist er Schon morgen eine Reiche Wie es so vielen Freiheitskampfern geht Wir furchten nicht, ja nicht Den Donner der Parolen Wir furchten nicht, ja nicht Die grune Polizei Den Karl Liebknecht den haben wir verloren Die Rosa Luxemburg fiel durch Morder Hand Den Karl Liebknecht den haben wir verloren Die Rosa Luxemburg fiel durch Morder Hand Auf, auf zum Kampf zum Kampf Zum Kampf sind wir geboren Auf, auf zum Kampf zum Kampf Zum Kampf sind wir bereit Dem Karl Liebknecht dem haben wirs geschworen Der Rosa Luxemburg reichen wir die Hand Dem Karl Liebknecht dem haben wirs geschworen Der Rosa Luxemburg reichen wir die Hand |
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from Hannes Wader - Der Rebell (2006)
Eines Morgens in aller Fruhe
Bella ciao, bella ciao Bella ciao, ciao, ciao Eines Morgens in aller Fruhe Trafen wir auf unsern Feind Eines Morgens in aller Fruhe Trafen wir auf unsern Feind Ihr Partisanen, kommt nehmt mich mit euch Bella ciao, bella ciao Bella ciao, ciao, ciao Ihr Partisanen, kommt nehmt mich mit euch Denn ich fuhl', der Tod ist nah Partisanen, kommt nehmt mich mit euch denn ich fuhl', der Tod ist nah Und wenn ich sterbe, oh ihr Genossen Bella ciao, bella ciao Bella ciao, ciao, ciao Wenn ich sterbe, oh ihr Genossen Bringt mich dann zur letzten Ruh! Wenn ich sterbe, oh ihr Genossen Bringt mich dann zur letzten Ruh! In den Schatten der kleinen Blume Bella ciao, bella ciao Bella ciao, ciao, ciao Einer zarten, ganz kleinen Blume In die Berge bringt mich dann Einer zarten, ganz kleinen Blume In die Berge bringt mich dann Und die Leute, die geh'n voruber Bella ciao, bella ciao Bella ciao, ciao, ciao Und die Leute, die geh'n voruber Seh'n die kleine Blume stehn Und die Leute, die geh'n voruber Seh'n die kleine Blume stehn Diese Blume, so sagen alle Bella ciao, bella ciao Bella ciao, ciao, ciao Ist die Blume des Partisanen Der fur unsre Freiheit starb! Ist die Blume des Partisanen Der fur unsre Freiheit starb! |
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from Hannes Wader - Der Rebell (2006)
Fruher lief hier einer rum, es ist schon ziemlich lange her
Einer, der sich Charley nannte, viele wissen's gar nicht mehr Ein paar And're, ich bin sicher, die erinnern sich noch gut An seine Hinterhaltigkeit und ihre Angst vor seiner Wut Manchmal blieb er ein paar Wochen, mal verschwand er fur ein Jahr Salz und Sonne in der Haut und mit ausgeblich'nem Haar War er plotzlich, stark wie immer, nach 'ner Weile wieder hier Fur uns Jungs war er der Konig, fur die Alten mehr ein Tier Alle haben es bemerkt, wie gut sein Blumenhemd ihm stand Mit Lochern drin, ganz heimlich mit 'ner Kippe reingebrannt Was aussah, dass fast jeder sie fur Einschusslocher hielt Und der Sohn vom Apotheker hat sofort danach geschielt Er kaufte Charleys Hemd zu einem unverschamten Preis Trug es schmutzig, wie es war, mitsamt den Lochern und dem Schweiß Sicher hat er fest geglaubt, er brauche es nur anzuzieh'n Und Charleys Kraft und Schonheit ubertrugen sich auf ihn Viele Madchen rissen wegen Charley von zu Hause aus Er nahm das als selbstverstandlich, machte sich nicht viel daraus Doch nicht nur besonders wilde, freche Madchen wollten ihn Sogar brave, graue Mause wurden scharf, wo er erschien Eine sah ich, wie sie mehrmals dicht an ihm voruberlief Jedes Mal bei seinem Blick die Schenkel fest zusammenkniff Spater tat, als sei er Luft fur sie, weil sie ihn nie bekam Und sich irgendeinen Ander'n, den sie kriegen konnte, nahm Dieses Madchen, was liegt naher, nahm sich ausgerechnet den Der die Apotheke erbte, neulich hab' ich ihn geseh'n Er sah anders aus als fruher, als ihm immer, wo er ging Charleys Fetzenhemd an seinem schlotternden Gerippe hing Heute knicken seine Beine, ahnlich wie bei einem Schwein Unter dem Gewicht der Huften, mehr und mehr nach innen ein Und die Kinder auf der Straße woll'n ihn nackig sehn und gern Seine Knie, wenn er geht, aneinanderklatschen hor'n Horst du, Charley, was mir dieser Mensch berichtet hat! Du warst jetzt auch schon so wie er, so sauber, sanft und satt Auch dein Name war' jetzt anders, nicht mehr Charley, sondern Karl Und Alles liefe, wie es sein soll, ruhig und normal Weißt du, Charley, was du tust, geht mich schon lange nichts mehr an Nur schade, dass so einer sich mit dir vergleichen kann Einer der, obwohl er wollte, nie wie du gewesen ist Soll nicht sagen durfen, dass du so wie er geworden bist |
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from Hannes Wader - Der Rebell (2006)
Das Bier in dieser Kneipe schmeckt mir nicht mehr
Ich kame am liebsten gar nicht mehr her! Außerdem weiß ich ? und nicht erst seit Heute Ich kenne hier die falschen Leute! Einer sitzt jeden Abend hier Hat nie einen Pfennig Geld in der Tasche! Dann bittet er jeden, das ist seine Masche Um einen Groschen ? schon hat er sein Bier! Bei den Madchen geht er ahnlich vor: Tatschelt hier ein Gesaß, gibt dort ein Kusschen Beißt da in ein Ohr ? von allem ein Bisschen Reicht das noch nicht aus, macht er noch mal die Runde Und verschafft sich so manche gluckliche Stunde! Das Bier in dieser Kneipe schmeckt mir nicht mehr Ich kame am liebsten gar nicht mehr her! Außerdem weiß ich ? und nicht erst seit Heute Ich kenne hier die falschen Leute! Ebensooft kommt einer rein Der hat nur noch drei Haare und die wickelt er Sich um seinen Kopf, funfmal oder mehr Weil er glaubt, noch zu jung fur 'ne Glatze zu sein Bei den Madchen fangt er's ahnlich an: Er wickelt, so sagt er, die jungen Dinger ? Und glaubt fest daran ? nur so um den Finger Warum soll's nicht stimmen, man weiß ja nie ? Selbst die feuchteste Hand findet einmal ein Knie! Das Bier in dieser Kneipe schmeckt mir nicht mehr Ich kame am liebsten gar nicht mehr her! Außerdem weiß ich ? und nicht erst seit Heute Ich kenne hier die falschen Leute! Ich selbst lasse mich hier nur noch selten seh'n! Ich trinke lieber zu Hause mein Bier Dort sitze ich und arbeite an mir ? Sogar meine Nachbarn finden das schon! Mit den Madchen hier rede ich auch nicht mehr Ich halte mich da schon lieber an eine Die hat zwar Charakter ? aber leider krumme Beine! Doch lasst sich Alles ? und an mir soll's nicht legen Wenn man weiß was man will ? geradebiegen Das Bier in dieser Kneipe schmeckt mir nicht mehr Ich kame am liebsten gar nicht mehr her! Außerdem weiß ich, und nicht erst seit Heute Ich kenne hier die falschen Leute! |
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from Hannes Wader - Der Rebell (2006)
Und weil der Mensch ein Mensch ist
Drum braucht er was zum Essen, bitte sehr Es macht ihn kein Geschwatz nicht satt Das schafft kein Essen her Drum links, zwei, drei Drum links, zwei, drei Wo dein Platz Genosse ist Reih dich ein in die Arbeitereinheitsfront Weil du auch ein Arbeiter bist Und weil der Mensch ein Mensch ist Drum braucht er auch noch Kleider und Schuh' Es macht ihn kein Geschwatz nicht warm Und auch kein Trommeln dazu Drum links, zwei, drei Drum links, zwei, drei Wo dein Platz Genosse ist Reih dich ein in die Arbeitereinheitsfront Weil du auch ein Arbeiter bist Und weil der Mensch ein Mensch ist Drum hat er Stiefel im Gesicht nicht gern Er will unter sich keinen Sklaven seh'n Und uber sich keinen Herrn Drum links, zwei, drei Drum links, zwei, drei Wo dein Platz Genosse ist Reih dich ein in die Arbeitereinheitsfront Weil du auch ein Arbeiter bist Und weil der Prolet ein Prolet ist Drum kann ihn auch kein Anderer befrei'n Es kann die Befreiung der Arbeiter nur Das Werk der Arbeiter sein Drum links, zwei, drei Drum links, zwei, drei Wo dein Platz Genosse ist Reih dich ein in die Arbeitereinheitsfront Weil du auch ein Arbeiter bist |
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from Hannes Wader - Der Rebell (2006)
Ich friste in einem Loch unterm Dach
Als armer Hund mein Dasein Hab' wenig zu essen, drum lieg' ich oft wach Und hung're bei Wasser mit Wein Und starrt die nackte Wand mich auch an ? Was macht das schon, jetzt hangt ja daran Ein Bild von ihr ? Sie schenkte es mir! Meine Bucher, die letzten Habseligkeiten Ich werde mit ihnen ins Pfandhaus geh'n Dort vermach ich sie den Leuten Die doch nicht zu lesen versteh'n Auch wenn sie sie mir nicht viel dafur geben ? Was macht das schon, dann lese ich eben Die Briefe von ihr ? Sie schickte sie mir! Ich glaube mein Fenster habe ich mal Des Nachts im Suff zerschlagen Mein Wirt will, dass ich den Schaden zahl' ? Einen Streit mit ihm darf ich nicht wagen! Ich geb ihm den Schein, und ist's auch mein letzter ? Was macht das schon, jetzt hangt vor dem Fenster Ein Mantel von ihr ? Sie schenkte ihn mir! Ich friste in einem Loch unterm Dach Als armer Hund mein Dasein Doch sie denkt an mich in ihrem Prunkgemach Denn ihr Mann ist alt und gemein Ein Sonntagsjager und Herrenreiter ? Was macht das schon, ich brauch' ja nichts weiter Als das Herz von ihr ? Sie schenkte es mir! |
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from Hannes Wader - Der Rebell (2006)
Dem Morgenrot entgegen
Ihr Kampfgenossen all! Bald siegt ihr allerwegen Bald weicht der Feinde Wall! Mit Macht heran und haltet Schritt! Arbeiterjugend? Will sie mit? Wir sind die junge Garde Des Proletariats! Wir sind die junge Garde Des Proletariats! Wir haben selbst erfahren Der Arbeit Frontgewalt In dust'ren Kinderjahren Und wurden fruh schon alt! Sie hat an unserm Fuß geklirrt Die Kette, die nur schwerer wird Wach auf du junge Garde Des Proletariats! Wach auf du junge Garde Des Proletariats! Die Arbeit kann uns lehren Und lehrt uns die Kraft Den Reichtum zu vermehren Der unsre Armut schafft! Nun wird die Kraft, von uns erkannt Die starke Waffe unsrer Hand! Schlag zu du junge Garde Des Proletariats! Schlag zu du junge Garde Des Proletariats! Wir reichen euch die Hande Genossen all, zum Bund! Des Kampfes sei kein Ende Eh' nicht im weiten Rund Der Arbeit freies Volk gesiegt Und jeder Feind am Boden liegt! Vorwarts, du junge Garde Des Proletariats! Vorwarts, du junge Garde Des Proletariats! |
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from Hannes Wader - Der Rebell (2006)
Von all unsern Kameraden
War keiner so lieb und so gut Als unser kleiner Trompeter Ein lustiges Rotgardistenblut Als unser kleiner Trompeter Ein lustiges Rotgardistenblut Wir saßen so frohlich beisammen In einer so sturmischen Nacht Mit seinen Freiheitsliedern Hat er uns so glucklich gemacht Mit seinen Freiheitsliedern Hat er uns so glucklich gemacht Da kam eine feindliche Kugel Bei einem so frohlichem Spiel Mit einem mutigem Lacheln Unser kleiner Trompeter, er fiel Mit einem mutigem Lacheln Unser kleiner Trompeter, er fiel Da nahmen wir Hacke und Spaten Und gruben ihm ein Grab Und die ihn am liebsten hatten Die senkten ihn still hinab Und die ihn am liebsten hatten Die senkten ihn still hinab Schlaf wohl, du kleiner Trompeter Wir waren dir alle so gut Schlaf wohl du kleiner Trompeter Du lustiges Rotgardistenblut Schlaf wohl du kleiner Trompeter Du lustiges Rotgardistenblut |
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from Hannes Wader - Der Rebell (2006)
Fast jeder weiß was in Hameln geschah, vor tausend und einem Jahr
Wie die Ratten dort hausten, die alles fraßen was nicht aus Eisen war Zu dieser Zeit kam ich nach langer Fahrt als Spielmann in diese Stadt Und ich horte als erstes den Herold schreien, als ich den Markt betrat Wer mit Gottes Hilfe oder allein die Stadt von den Ratten befreit Fur den lagen ab nun beim Magistrat hundert Taler in Gold bereit Ich packte mein Bundel, die Flote und Leier und klopfte ans Rathaustor Kaum sah man mich schlug man die Tur wieder zu und legte den Riegel vor Und ich horte wie man den Herren sagte, es stunde ein Mann vor dem Tor Zerrissen und stinkend in bunte Lumpen, mit einem Ring im Ohr Dieser Mann nun ließe den Herren sagen, er kame von weit, weit her Und er bote der Stadt seine Hilfe, weil er ein Rattenfanger war Ich wartete lange, dann rief eine Stimme durch die geschlossene Tur: ?Vernichte die Ratten und du bekommst die versprochenen Taler dafur!“ Und ich ging und blies in der Nacht die Flote, immer nur einen einzigen Ton Der so hoch war, dass nur die Ratten ihn horten, und keine kam davon Bis hinein in die Weser folgte mir bald die ganze quiekende Brut Und an Morgen trieben dann hunderttausend Kadaver in der Flut Als die Hamelner Burger horten, was alles geschehen war in der Nacht Tanzten sie auf den Straßen, nur an mich hat keiner gedacht Und als ich dann wieder vorm Rathaus stand und forderte meinen Lohn Schlug man auch diesmal die Tur vor mir zu und erklarte mir voller Hohn Nur der Teufel konne bei meiner Arbeit im Spiel gewesen sein Deshalb sei es gerecht ich triebe bei ihm meine hundert Taler ein Doch ich blieb und wartete Stunde um Stunde bis zum Abend vor jenem Haus Aber die Ratsherren die drinnen saßen, trauten sich nicht heraus Als es Nacht war kamen bewaffnete Kerle, ein dutzend oder mehr Die schlugen mir ihre Spieße ins Kreuz und stießen mich vor sich her Vor der Stadt hetzten sie ihre Hunde auf mich und die Bestien schonten mich nicht Sie rissen mich um und pissten mir noch ins blutende Gesicht Als der Mond schien flickte ich meine Lumpen, wusch meine Wunden im Fluss Und weinte dabei vor Schwache und Wut, bis der Schlaf mir die Augen schloss Doch noch einmal ging ich zuruck in die Stadt und hatte dabei einen Plan Denn es war Sonntag, die Burger traten eben zum Kirchgang an Nur die Kinder und die Alten blieben an diesem Morgen allein Und ich hoffte, die Kinder wurden gerechter, als ihre Vater sein Ich hatte vorher mein zerfleischtes Gesicht mir bunten Farbe bedeckt Und mein Wams, damit man die Locher nicht sah, mit Hahnenfedern besteckt Und ich spielte und sang, bald kamen die Kinder zu mir von uberall her Horten was ich sang mit Emporung und vergaßen es nie mehr Und die Kinder beschlossen mir zu helfen und nicht mehr zuzusehen Wo Unrecht geschieht, sondern immer gemeinsam dagegen anzugehen Und die Hamelner Kinder hielten ihr Wort und bildeten ein Gericht Zerrten die Bosheit und die Lugen ihrer Vater ans Licht Und sie weckten damit in ihren Eltern Betroffenheit und Scham Und weil er sich schamte, schlug manch ein Vater sein Kind fast krumm und lahm Doch mit jeder Misshandlung wuchs der Mut der Kinder dieser Stadt Und die hilflosen Burger brachten die Sache vor den hohen Rat Es geschah was heute noch immer geschieht, wo Ruhe mehr gilt als Recht Denn wo die Herrschenden Ruhe wollen, geht's den Beherrschten schlecht So beschloss man die Vertreibung einer ganzen Generation In der Nacht desselben Tages begann die schmutzige Aktion Gefesselt und geknebelt, von den eigenen Vatern bewacht Hat man die Kinder von Hameln ganz heimlich aus der Stadt gebracht Nun war wieder Ruhe in der Stadt Hameln, fast wie in einem Grab Doch die Niedertracht bluhte, die Ratsherren fassten eilig ein Schreiben ab Das wurde der Stadtchronik beigefugt, mit dem Stempel des Landesherren Und besagt, dass die Kinder vom Rattenfanger ermordet worden war'n Doch die Hamelner Kinder sind nicht tot, zerstreut in alle Welt Haben auch sie wieder Kinder gezeugt, ihnen diese Geschichte erzahlt Denn auch heute noch setzen sich Menschen fur die Rechte Schwacherer ein Diese Menschen konnten wohl die Erben der Hamelner Kinder sein Doch noch immer herrscht die Luge uber die Wahrheit in der Welt Und solange die Gewalt und Angst die Macht in Handen halt Solange kann ich nicht sterben, nicht ausruhen und nicht fliehen Sondern muss als Spielmann und Rattenfanger immer weiter ziehen Denn noch nehmen Menschen Unrecht als Naturgewalt in Kauf Und ich hetze noch heute die Kinder dagegen immer wieder auf Und ich hetze noch heute die Kinder dagegen immer wieder auf |
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from Hannes Wader - Der Rebell (2006)
Spoken:
Es war an einem Morgen im Fruhjahr, als ich meinen ersten Anfall bekam. Ich hatte so'n bisschen uber mich und das Leben nachgedacht, als mir plotzlich speiubel davon wurde und Irgendwas druckte mir den Hals so zu, dass ich dachte ich musste ersticken. Ich sturzte auf die Straße, schnappte wie ein Irrer nach Luft aber es kam noch viel schlimmer. Mir wurde schwindelig, ich drehte mich zehn Mal um mich selbst und dachte alle Leute zeigten mit den Fingern auf mich, bis ich dann merkte, dass ich gar nichts anhatte. Ich rannte und rannte, fand dann irgendein offenes Parterrefenster, kletterte rein und verkroch mich, zitternd vor Angst und Kalte in irgendeine Ecke. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich merkte, dass ich mich in einem Trodelladen befand. Der ganze Raum hing voll mit alten Klamotten und ich zog mir sofort eine Pluderhose, Stulpenstiefel und ein Kettenhemd an, hangte mir noch #ne alte Armbrust uber die Schulter und fuhlte mich augenblicklich wieder gelassen und unangreifbar. Ich marschierte uber die Straße und stand dann plotzlich vor dem Personaleingang des Kaufhauses, wo ich bis dahin die Papierverbrennungsanlage bedient hatte. Als ich das sah, wurde mir schlecht vor Wut, ich rannte den Pfortner uber den Haufen, riss samtliche Telefonkabel ab, brach die Stempeluhr aus der Wand und tobte weiter in die Verkaufsraume. Als ich in die Spielwarenabteilung kam, stand der erste Verkaufer wieder mal, von einem Stutzpfeiler halb verborgen, auf ner Leiter, um die Kinder beim Klauen besser erwischen zu konnen. Die liefert er dann immer der Geschaftsleitung aus und kassierte dicke Pramien pro Nase. Sein dreckiges Grinsen, als er mich sah, brachte mich so auf, dass ich, ohne zu zielen meine Armbrust auf ihn abdruckte und der Bolzen fuhr ihm dicht am Hals vorbei, durch den Anzugkragen und nagelte ihn am Pfeiler fest. Ich trat die Leiter unter ihm weg und ließ ihn da hangen wie'n Schluck Wasser. Und wahrend er zappelte und schrie, schmiss ich eine Stellage nach der anderen um und verteilte das Spielzeug unter die Kinder. Und mitten im großten Tumult tauchte der Chef des Hauses auf und zischte mich an: ?Was machen Sie denn da? Sofort kommen Sie mit in mein Buro, Sie Idiot!". Ich spannte nur meine Armbrust und sagte: ?Leck mich doch am Arsch, du Motherfucker! Hande hoch und vorwarts!". Da sah er den Verkaufer am Pfeiler baumeln und wurde leichenblass. Ich schubste ihn in den Lastenfahrstuhl ohne dass die Kunden deswegen stutzig wurden, die das ganze fur 'ne Werbeaktion hielten, fuhr mit ihm in den Keller runter in die Papierverbrennung und gab ihm einen Tritt und er flog durch das riesige Ofenloch, mitten ins Feuer und als draußen die Polizeisirenen heulten, war schon nichts mehr von ihm ubrig. Ich rannte nach draußen, warf die Armbrust weg, schwang mich auf ein herrenloses Damenfahrrad und jagte quer durch die City zum Ortsausgang und nach einer Stunde Fahrt fiel ich halbtot vor Erschopfung vom Rad und schlief unter einem Gebusch ein. Am nachsten Morgen war es eisig kalt und mit der Kalte kam die Angst. Ich hatte eine Fuhrungskraft umgebracht! Jetzt wurde man mich uberall suchen und hetzen! Und in meiner Panik wuhlte ich mich immer tiefer und tiefer in den Wald und gegen Mittag fand ich einen verlassenen Luftschutzbunker. Die Tur war offen und in einer Ecke lag eine Maschinenpistole in Olpapier gewickelt und eine Kiste Munition. Ich setzte die Waffe zusammen. Sie funktionierte und ich fuhlte mich sofort wieder unbesiegbar. Ich beschloss, mich im Bunker einzurichten und mir gleich Vorrate zu beschaffen, um in der Illegalitat uberleben zu konnen. Und noch am selben Tag knackte ich drei Banken. Ich zwangte mich jedes mal mit dem Fahrrad durch die Tur, drehte eine Runde im Schalterraum, feuerte mit der MP in die Decke, dass der Kalk nur so spritzte und schrie: ?Ich bin der Rattenfanger von Hameln, wo sind hier die Mause?!" Und als ich auf diese Weise 100.000,- Mark zusammen hatte, ging ich noch schnell in Supermarkt einkaufen und erreichte dann auf Schleichwegen wieder meinen Bunker. (Guitar Interlude) Ich blieb so lange unsichtbar, bis keine Zeitungsmeldungen uber mich mehr erschienen, beschaffte mir dann so nach und nach alles was ich brauchte und verlebte ein paar sehr ruhige Monate. Ich pflanzte Hanf im Blumenpott, rauchte ab und zu einen Joint und schaukelte bei sonnigem Wetter in meiner Hangematte und horte ? die MP auf dem Bauch ? die Hitparade im Kofferradio und war glucklich. Aber wie alle glucklichen Leute, nach 'ner Weile schon nahe am Verbloden und um dem entgegenzuwirken, schrieb ich zentnerweise Leserbriefe und badete ab und zu in einem eingezaunten See, der in der Nahe lag und der dem Tankerkonig gehorte. Eines Mittags also ? ich saß da ganz ruhig mit meiner MP im Wasser ? stand da plotzlich einer vor mir in Hemdsarmeln, gruner Schurze, Strohhut, Spaten uber der Schulter und meinte, das ware Privateigentum, wo wir denn hinkamen, wenn das Alle machen wurden. Ich sagte: ?Ja, wenn das Alle machen wurden, dann ware der Tankerkonig bald weg vom Fenster mit Blick auf den See". Ich fragte ihn ob er es denn notig hatte, als Gartner fur den Tankerkonig den Buttel zu machen. Meint er doch: "Ich bin nicht der Gartner, ich bin der Tankerkonig!". Ich sagte: ?Das ist doch nicht zu fassen, den Gartner entlassen, die Dahlien selber begießen und das Geld fur sie arbeiten lassen! Damit ist jetzt Schluss!!". Ich wollte sofort abdrucken, brachte es dann aber dann doch nicht fertig und stattdessen zwang ich ihn einen Joint zu rauchen, so groß wie'n Ofenrohr. Und ich sagte: ?So! Und jetzt will ich mal sehen, wie Milliardare so leben!" Wir gingen die paar hundert Meter bis zu seiner Villa und als wir ankamen war er schon so high wie'n Weltmeister. Er taumelte vor mir her in eine riesige Diele auf eine erlesene Sitzecke zu, wo die Tankerkonigin saß und doste. Und so'n Hundchen im Arm, mit blauer Schleife und rosa Arschloch und sie murmelte ohne die Augen zu offnen: ?Rudi, bist du's? Denk dir, Ari Onassis hat uns eingeladen zur Safari!". Der Tankerkonig glotzte seine Frau erst an als wenn er gar nichts begriffen hatte, fing dann an um sie rumzutanzen, affte ihre Stimme nach: ?Mit Ari auf Safari!". Die Tankerkonigin riss die Augen auf, sah uns und fluchtete kreischend die Treppe rauf. Der Tankerkonig angelte sich die antike Streitaxt von der Wand und, Ari Safari, hinterher. Da dachte ich: ?Das Schauspiel guckst du dir von draußen an!" und ich setzte mich in die Hollywoodschaukel. Da sah ich auch schon den Tankerkonig aus der Dachluke kriechen. Die blutige Axt in der Hand breitete er die Arme aus, sprang und landete ? klatsch ? direkt vor meinen Fußen. Ich ging erst mal zuruck zum Bunker und legte mich schlafen. Am nachsten morgen horte ich dann die Nachrichten. Die halbe Welt stand Kopf. Es war auch von mir die Rede. Die Tankerkonigin hatte ausgesagt. Ihr Mann hatte mit seiner Axt nicht sie, sondern nur das Hundchen erschlagen und man sprach von einer wirtschaftspolitischen Katastrophe, die der Tod des Tankerkonigs ausgelost hatte. Und weiter hieß es, die gesamte Landespolizei und eine Bundeswehreinheit beteilige sich mit Suchhunden und Peilgeraten, Hubschraubern und Panzern an der Fahndung nach dem geisteskranken Morder mit dem Kettenhemd und den Stulpenstiefeln. Mir wurde ganz mulmig zumute und ich verrammelte die Bunkertur hinter mir und traute mich wochenlang nicht mehr raus. Nach einer Weile fuhlte ich mich so elend und einsam, dass ich schon anfing mit mir selbst zu reden. Ich brauchte unbedingt einen Menschen mit dem ich sprechen konnte! Aber einen der das mit dem Tankerkonig auch verstehen wurde! Und ich kannte keinen. Aber dann hatte ich die Idee: Wenn schon kein Lebender da war, warum sollte ich dann nicht mit einem Toten reden. Also schlich ich mich gegen Mitternacht aus dem Wald in den nachsten Ort. Ich kannte da ein Haus in dem regelmaßig spiritistische Sitzungen stattfanden. Und ich hatte auch Gluck, die Sitzung war schon im vollen Gange. Ich stieß die Tur mit dem Fuß auf, die MP in der Hand und rief: ?Nur keine Panik meine Herrschaften und Hande auf den Tisch!". Aber kaum hatten die die Hande auf der Platte, fing der Tisch an zu wackeln, hob sich wie von selbst und schwebte dann einen Meter uberm Fußboden. Ich sagte: ?Kinder, macht doch keinen Quatsch, Hande hoch ubern Kopf!" Sofort flogen die Hande in die Luft und der Tisch krachte wieder auf den Boden und ich sagte. ?So, wer von euch ist hier der Ober-Druide? Macht mir mal 'ne Verbindung mit Che Guevara, ich mochte jetzt endlich mal mit einem vernunftigen Menschen reden!". Erst wussten die gar nicht so richtig, wen ich da meinte, gaben sich aber sehr viel Muhe und endlich knackte es in der Leitung und ich horte Che Guevaras Stimme: ?Was wollt ihr von mir?". Ich sagte wer ich war und was ich angerichtet hatte und dass ich einen Rat brauchte. Und die Stimmer fragte mich etwas argerlich, was das denn sollte und ob ich denn noch nie was von organisiertem Klassenkampf gehort hatte. Ich sagte nee, hatte ich nicht. Die Stimme schwieg einen Augenblick und sprach dann wesentlich freundlicher und trostender weiter: Ja da ware mir nur sehr schwer zu helfen, ich ware krank und ich sollte mal am besten zum Psychoanalytiker gehen. Total deprimiert kroch ich zuruck zum Bunker, als ich schon von weitem die Blechbuchsen klappern horte die an dem Alarmdraht hingen, den ich um mein Versteck gespannt hatte. Vor Schreck an allen Gliedern zitternd ging ich dann hin und sah einen VW da stehen, mit einem nackten Parchen auf dem Vordersitz. Die Stoßstange hatte sich in der Alarmleitung verhakt, so dass die Blechbuchsen unausgesetzt schepperten. Ich war so emport, dass ich dem Kerl die MP in den Rucken bohrte und ihn anschrie: ?Sofort aufhoren, das ist doch 'ne Schweinerei! Weit und breit die unberuhrteste Natur und Sie machen hier solche Verrenkungen in Ihrer stinkigen Kiste. Aber sofort raus in die Glockenblumen!". Der arme Mann jammerte mir die Ohren voll: ?Warum haben Sie uns so erschreckt? Meine Bekannte hat'n Krampf und jetzt hangen wa fest!" Das hatte mir gerade noch gefehlt. Wir berieten erst mal ne Weile daruber, was wir da machen konnten und dass es das beste ware, der Braut mit 'ner Nadel in den Schenkel zu stechen, so als Gegenschock, aber naturlich hatte keiner 'ne Nadel dabei. Mir dauerte das Alles zu lange, ich sagte: ?Schluss jetzt!! Wenn ihr die Nadel haben wollt, musst ihr schon die hundert Meter zum Nahkastchen robben". Die Operation gelang dann auch. Und erst als die beiden den Bunker wieder verlassen hatten, wusste ich, dass ich einen furchtbaren Fehler begangen hatte... |
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Wacht auf, Verdammte dieser Erde
Die stets man noch zum Hungern zwingt! Das Recht wie Glut im Kraterherde Nun mit Macht zum Durchbruch dringt Reinen Tisch macht mit den Bedrangern! Heer der Sklaven, wache auf! Ein Nichts zu sein, tragt es nicht langer Alles zu werden, stromt zuhauf! Volker, hort die Signale! Auf, zum letzten Gefecht! Die Internationale Erkampft das Menschenrecht! Es rettet uns kein hoh’res Wesen Kein Gott, kein Kaiser, noch Tribun Uns aus dem Elend zu erlosen Konnen wir nur selber tun! Leeres Wort: des Armen Rechte! Leeres Wort: des Reichen Pflicht! Unmundig nennt man uns und Knechte Duldet die Schmach nun langer nicht! Volker, hort die Signale! Auf, zum letzten Gefecht! Die Internationale Erkampft das Menschenrecht! In Stadt und Land, ihr Arbeitsleute Wir sind die starkste der Partei'n Die Mußigganger schiebt beiseite! Diese Welt muss unser sein! Unser Blut sei nicht mehr der Raben Und der nacht’gen Geier Fraß! Erst wenn wir sie vertrieben haben Dann scheint die Sonn’ ohn Unterlass! Volker, hort die Signale! Auf, zum letzten Gefecht! Die Internationale Erkampft das Menschenrecht! Volker, hort die Signale! Auf zum letzten Gefecht Die Internationale Erkampft das Menschenrecht |
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from Hannes Wader - Der Rebell (2006)
Wohin auch das Auge blicket
Moor und Heide nur ringsum Vogelsang uns nicht erquicket Eichen stehen kahl und krumm Wir sind die Moorsoldaten Und ziehen mit dem Spaten Ins Moor Wir sind die Moorsoldaten Und ziehen mit dem Spaten Ins Moor Hier in dieser oden Heide Ist das Lager aufgebaut Wo wir frei von jeder Freude Hinter Stacheldraht verstaut Wir sind die Moorsoldaten Und ziehen mit dem Spaten Ins Moor Wir sind die Moorsoldaten Und ziehen mit dem Spaten Ins Moor Morgens ziehen die Kolonnen Durch das Moor zur Arbeit hin Graben bei dem Brand der Sonne Doch zur Heimat steht der Sinn Wir sind die Moorsoldaten Und ziehen mit dem Spaten Ins Moor Wir sind die Moorsoldaten Und ziehen mit dem Spaten Ins Moor Auf und nieder geh'n die Posten Keiner, keiner kann hindurch! Flucht wird nur das Leben kosten Vierfach ist umzaunt die Burg Wir sind die Moorsoldaten Und ziehen mit dem Spaten Ins Moor Wir sind die Moorsoldaten Und ziehen mit dem Spaten Ins Moor Doch fur uns gibt es kein Klagen Ewig kann nicht Winter sein! Einmal werden froh wir sagen Heimat du bist wieder mein! Dann zieh'n die Moorsoldaten Nie mehr mit dem Spaten Ins Moor Dann zieh'n die Moorsoldaten Nie mehr mit dem Spaten Ins Moor |
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from Hannes Wader - Der Rebell (2006)
Spaniens Himmel breitet seine Sterne
Uber unsre Schutzengraben aus Und der Morge grußt schon aus der Ferne ? Bald geht es zu neuem Kampf hinaus! Die Heimat ist weit Doch wir sind bereit Wir kampfen und siegen fur dich, Freiheit! Dem Faschisten werden wir nicht weichen Schickt er auch die Kugelnhagel dicht ? Mit uns stehn Kameraden ohnegleichen Und ein Ruckwarts gibt es fur uns nicht! Die Heimat ist weit Doch wir sind bereit Wir kampfen und siegen fur dich, Freiheit! Ruhrt die Trommel, fallt die Bajonette! Vorwarts, marsch! Der Sieg ist unser Lohn! Mit der Freiheitsfahne brecht die Kette! Auf zum Kampf, das Thalmann-Bataillon! Die Heimat ist weit Doch wir sind bereit Wir kampfen und sterben fur dich, Freiheit! |
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from Hannes Wader - Der Rebell (2006)
(corus, shouted:)
El pueblo unido jamas sera vencido! El pueblo unido jamas sera vencido! Steht auf und singt! Ein neues Lied beginnt! Ein neuer Kampf die Zukunft uns gewinnt Doch nur vereint Besiegen wir den Feind Kampft mit uns, Freund, dass morgen wir die Sieger sind! In unserem Lied Der neue Morgen gluht Wie unsre Fahne gluht im wilden Wind Und Chile kampft! Sein Kampf wachst mit dem Schmerz Und lodert aus den Minen himmelwarts Von Nord nach Sud Das Volksfrontbanner zieht Die Einheit gluht, wir schmieden sie aus Chiles Erz Der Weg ist klar: Unidad Popular! Das Volk, es kampf mit Hand und Hirn und Herz Und jetzt wird das Volk sich erheben Im Kampfe und singen Und singen mit machtiger Stimme: El pueblo unido jamas sera vencido! El pueblo unido jamas sera vencido! Und Chile singt das Lied vom neuen Licht Vom neuen Tag, der freundlicher anbricht Noch rot vom Blut, Doch hell und klar und gut! Genossen, Mut! Das Volk mit einer Stimmer spricht In unsrem Schritt Millionen ziehen mit Das Volk vereint weicht den Faschisten nicht Und Chile tanzt, wenn es den Kampf gefuhrt Es tanzt vereint, wie es vereint marschiert Faschistenpack! Es kommt, es kommt der Tag Der Siegestag, dann wird die Rechnung prasentiert Voran! Nach vorn! Fur uns geht nichts verlor'n Nur Ketten sind es, die das Volk verliert Und jetzt wird das Volk sich erheben Im Kampfe und singen Und singen mit machtiger Stimme: El pueblo unido jamas sera vencido! El pueblo unido jamas sera vencido! |
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Heute hier, morgen dort
Bin kaum da, muss ich fort Hab' mich niemals deswegen beklagt Hab' es selbst so gewahlt Nie die Jahre gezahlt Nie nach Gestern und Morgen gefragt Manchmal traume ich schwer Und dann denk' ich es war' Zeit zu bleiben und nun Was ganz And'res zu tun So vergeht Jahr um Jahr Und es ist mir langst klar Dass nichts bleibt Dass nichts bleibt, wie es war Dass man mich kaum vermisst Schon nach Tagen vergisst Wenn ich langst wieder anderswo bin Stort und kummert mich nicht Vielleicht bleibt mein Gesicht Doch dem Ein' oder Ander'n im Sinn Manchmal traume ich schwer Und dann denk' ich es war' Zeit zu bleiben und nun Was ganz And'res zu tun So vergeht Jahr um Jahr Und es ist mir langst klar Dass nichts bleibt Dass nichts bleibt, wie es war Fragt mich einer, warum Ich so bin, bleib ich stumm Denn die Antwort darauf fallt mir schwer Denn was neu ist wird alt Und was gestern noch galt Stimmt schon heut' oder morgen nicht mehr Manchmal traume ich schwer Und dann denk' ich es war' Zeit zu bleiben und nun Was ganz And'res zu tun So vergeht Jahr um Jahr Und es ist mir langst klar Dass nichts bleibt Dass nichts bleibt, wie es war |
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from Hannes Wader - Der Rebell (2006)
Und eh' mich nun der letzte Rest
Meiner Geisteskraft verlasst Die, wie man in der Presse liest Im Grunde langst verkummert ist Hab' ich noch schnell vor Toresschluss Von Wohlstand, Luxus und Genuss Von Ausschweifung ganz ausgelaugt Am Euter Franz Villons gesaugt Aus dem die Milch der Wahrheit fließt ? Doch nur, wenn der ein Dichter ist Von dem er angemolken wird ? Bei mir hat er sich nicht geziert So hab' ich wahrend einer Nacht Dies kleine Testament gemacht: Sollt' ich mein Leben bald verlier'n Vermache ich mein krankes Hirn Professor Doktor Pillerman Der untersucht es, schlagt es dann Mit einer Nudelrolle platt Und kocht es aus bei tausend Grad Und legt es dann in Spiritus Wo es ganz fest unter Verschluss Weit von der Wirklichkeit entfernt Noch akademisch denken lernt. In Deutschland, der Kulturnation Schatzt man den Dichter immer schon ? Betrachtet man es mal genau ? Nicht hoher ein als eine Sau Die im Dreck nach Futter grabt Verachtet wird, solang sie lebt Ist sie dann eines Tages tot Befreit man sie von Schmutz und Kot Deckt sich mit ihren Innerei'n Fur lange, harte Winter ein ? So konnt' es mir wohl auch ergeh'n Drum will ich, das wird man versteh'n Wie selbst das allerdummste Schwein Zu Lebzeiten gemastet sein Dem Schlachter, der mir ganz zuletzt Das Messer an die Kehle setzt Dem rat' ich und auch seiner Frau Falls sie noch nach der Tagesschau Schnell einen Schlachter zeugen woll'n Dass sie an Sulze denken soll'n Und dass sie, bei geloschtem Licht Ja nicht mehr tun als ihre Pflicht Sonst kommt als Schande fur das Haus Noch ein Dichter dabei raus Doch hatt' ich meine Lieder gern Statt einem Schallplattenkonzern Unserm deutschen Volk vermacht Doch nimmt es, hab' ich den Verdacht Mein Geschenk erst gar nicht an ? Wobei ich mich auch irren kann Es halt mich, bilde ich mir ein Langst nicht mehr jeder fur ein Schwein ? Es wurden auch schon Stimmen wach Die weisen mir eindeutig nach Dass ich ein bloder Esel sei Und mein Gesang I-A-Geschrei Doch auch als Esel will ich nun Den Massen was zugute tun Statt meiner Lieder biet' ich dann Meinen Kieferknochen an Denn Samson, denkt einmal daran Schlug er nicht an die tausend Mann Mit einem Eselskiefer tot? Deswegen dieses Angebot: Wenn sich das Volk einmal emport Sich gegen alle Herrschaft wehrt Es meinen Kiefer bei sich tragt Und auf bourgeoise Schadel schlagt Ich habe mich mit Vorbedacht Im Fernseh'n immer rar gemacht Doch weil ich auch kein Unmensch bin Bestimme ich jetzt, immerhin Sollte ich gestorben sein Meinen Kadaver auszuleih'n Fur eine Fernseh-Monsterschau Doch achte man darauf genau Dass man die Leiche gut geschminkt In vollem Wichs, bevor sie stinkt Festbindet an ein Mikrofon ? So wie EI Cid, ihr wisst ja schon Tot auf sein Pferd gebunden war Dazu soll man noch eine Schar Go-Go-Go-Girls engagier'n Die meine Verse uberschmier'n Mit sußem ?Dub-du-ah-uh-ah“ Damit das Volk am Bildschirm ja Als Sahnetortchen runterfrißt Was Vollkornbrot gewesen ist Solange ich der Backer war ? Das stell' ich hier noch einmal klar Weil ich noch lebe, hinterher Juckt mich das nicht mehr so sehr Und nun zu jenem kleinen Mann, Den ich nur schlecht beschreiben kann Weil er hier nicht genannt sein will Denn lieber lauert er ganz still Im Dunkeln, bildet sich viel ein Und hangt sich uberall mit rein Dabei wiegt dieser Himmelhund Wenns hoch kommt, nur ein Viertelpfund Ich ahne, so gut kenn' ich ihn Dass er, wenn ich gestorben bin Von meinem Tode unberuhrt Sein Eigenleben weiterfuhrt Wenn diese Ahnung sich erfullt Begrabt ihn auf der Insel Sylt In Kampen am Nacktbadestrand Nicht allzutief im Dunensand Ich denke, dass ihr mich versteht Wenn ihr die hubschen Madchen seht Im Sande sitzend, braun und nackt Und eine zu der andern sagt: ?Zwar weiß ich, Hannes, dieser Schlot Ist schon seit einer Woche tot Doch konnt' ich wetten, er ist hier ? Ich spure was von ihm in mir...“ Furs erste mach' ich jetzt mal Schluss Obwohl ich eingestehen muss Dass manches noch zu sagen war ? Ein and'res Mal erzahl' ich mehr Denn ich mochte, dass ihr wisst Wenn dies auch mein Vermachtnis ist Dass ich noch lang zu leben hab' Bin ich dann tot, soll'n um mein Grab Auch jene Journalisten steh'n Die Schmeißfliegen so ahnlich seh'n ? Wer fraße sich denn sonst da satt Wo unsereins geschissen hat? Fur die geb' ich noch aus dem Grab Ganz kurz eine Erklarung ab Statt einer Rede lass' ich bloß Einen letzten Rulpser los Tief grollend aus dem Untergrund Die Holle offnet ihren Schlund Schluckt unzerkaut das Lumpenpack Doch weil sie diesen Fraß nicht mag Kotzt sie den widerlichen Schmaus Gleich angeekelt wieder aus ? Ich hab' die Bande jedenfalls Ein- fur allemal vom Hals . . . |
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from Hannes Wader - Der Rebell (2006)
Ich kam von Frankfurt nach Berlin
Drei Koffer voll mit Kokain Cocaine, all around my brain Hallo Taxi, schnell zum Ku'damm, Ecke Tauentzien Meine Frau und meine Kinder schrei'n nach Kokain Cocaine, all around my brain Hm, hm, hm, hey! Oh Mama, komm schnell her Halt mich fest, ich kann nicht mehr Cocaine, all around my brain Meine Frau heisst Evelyn Ich weiss nicht, liebt sie mich oder mehr mein Kokain Cocaine, all around my brain ?Liebster“, sagt sie, ?Rate mal, was kitzelt so schon In der Nase, schmeckt nach Scheisse, wirkt wie Arsen?“ Cocaine, all around my brain Hm, hm, hm, hey! Oh Mama, komm schnell her Halt mich fest, ich kann nicht mehr Cocaine, all around my brain Mein Sohn ist zwolf und ewig angetornt Ich verbiet' es ihm, damit er endlich laufen lernt Cocaine, all around my brain Seit gestern weiss er endlich, wer ich bin Wenn er mich sieht, dann ruft er: ?Pappa, hattu Kokain?“ Cocaine, all around my brain Hm, hm, hm, hey! Oh Mama, komm schnell her Halt mich fest, ich kann nicht mehr Cocaine, all around my brain Meine kleine Tochter ist jetzt grad' Auf 'nem Trip, den sie letztes Jahr schon eingepfiffen hat Cocaine, all around my brain Sie sieht aus, als war' sie dreissig Und sie macht auf zwanzig, dabei ist sie acht Cocaine, all around my brain Hm, hm, hm, hey! Oh Mama, komm schnell her Halt mich fest, ich kann nicht mehr Cocaine, all around my brain Meine Tante dealt seit einem Jahr Seitdem geht sie uber Leichen, fahrt 'nen Jaguar Cocaine, all around my brain Immer wenn sie kommt, bringt sie ein Stuckchen Shit In der Radkappe fur die Kinder mit Cocaine, all around my brain Hm, hm, hm, hey! Oh Mama, komm schnell her Halt mich fest, ich kann nicht mehr Cocaine, all around my brain Mein Onkel kam vom Alkohol zum Kokain Jetzt will er sich das Kokain mit Schnaps entzieh'n Cocaine, all around my brain Seit gestern liegt er im Delirium Ab morgen steigt er wieder auf die Droge um Cocaine, all around my brain Hm, hm, hm, hey! Oh Mama, komm schnell her Halt mich fest, ich kann nicht mehr Cocaine, all around my brain Opa hat den Gilb, wartet auf den Tod Freut sich auf Jimi Hendrix und den lieben Gott Cocaine, all around my brain Oma geht es augenblicklich auch nicht gut Seit ihrem letzten Flash spuckt sie nur noch Blut Cocaine, all around my brain Ich merke schon, dass ich jetzt aufhor'n muss Oh Mama, Mama, Mama, komm mach mir 'nen Schuss Mit Morphium und Heroin Opium und Rosimon Oder gib mir Lysergsaurediathylamid Mescalin und Nepalshit La, la, la . . . |
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from Hannes Wader - Der Rebell (2006)
Vier noble Generale
¡Mamita mia! Hab’n uns verraten Und die Faschisten-Staaten Schickten auch prompt Soldaten Mit Bomben und Granaten ¡Mamita mia! Zu blut’gen Taten Madrid, du wunderbare ¡Mamita mia! Dich wollten sie nehmen Doch deiner treuen Sohne ¡Mamita mia! Brauchst dich nicht zu schamen Und alle deine Tranen ¡Mamita mia! Die werden wir rachen Und die verfluchte Knechtschaft ¡Mamita mia! Die werden wir brechen. |
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from Hannes Wader - Der Rebell (2006)
Zu einer Zeit, in der ich sehr allein war, so ohne einen Menschen, schaffte ich mir ein Schwein an, das ich Monika nannte.
Ich stellte es auf meinem Balkon unter und futterte es mit Abfallen, die ich aus den Mulleimern kramte. Das Tier fraß auch jeden Dreck, machte aber gleichzeitig so viel Mist, dass es schon nach wenigen Wochen bis zum Hals in der eigenen Jauche steckte. Um es vor dem Ertrinken zu retten, setzte ich einen Sessel mitten rein und band die Sau mit Stricken darauf fest. Um den Mist nun loszuwerden, wandte ich mich mit einer Zeitungsanzeige an die Kleingartner der Umgebung. Das Interesse dieser Menschen, an echtem Schweinedung war riesengroß, und schon am nachsten Tag standen sie in Schlangen unter meinem Balkon. Die Jauche floß in Stromen ? und manche wollten sogar was dafur bezahlen. Irgendwie sprach sich das auch herum. Die Leute grußten mich wesentlich freundlicher als sonst ? ich wurde jetzt geachtet als ein Mann, der es versteht, aus Scheiße Geld zu machen. Einmal, es war Sommer, die Sau saß draußen breitbeinig in ihrem Sessel und sonnte sich, da horte ich sie plotzlich aufgeregt grunzen. Ich riss die Balkontur auf und sah noch, wie sich Frau Klotzkes widerlicher Koter an ihr zu schaffen machte. Als ich mich dazwischen werfen wollte, wurde der Hund plotzlich an einem Bindfaden hochgezogen Und auf dem Balkon uber mir sang ein Haufen fruhreifer Kinder: ?Eene, meene, mackel, die Sau machts's mit nem Dackel!“ Durch diese unfreuliche Erlebnis fuhlte ich mich noch enger an Monika gebunden und ich nahm ihren ersten Geburtstag als Anlass fur eine kleine interne Feier. Es machte ihr auch sichtlich Freude, sich vorn und hinten von mir bedienen zu lassen. Abends zundete ich eine Kerze an, stellte ihr einen Eimer billigen Fusel hin, mir selbst eine Flasche Schnaps Und gemeinsam soffen wir eine Weile vor uns hin, und ich erzahlte ihr was von mir. Um unserem Fest nun einen besonderen Pfiff zu geben, legte ich eine heiße Platte auf, und das hatte ich nicht tun sollen. Denn kaum horte Monika die ersten Tone, plumpste sie, besoffen wie sie war, von ihrem Sessel und fing wie irrsing an zu tanzen. Unfahig mich zu ruhren, sah ich, wie sich der Balkon langsam vornuber neigte und dann mit unbeschreiblichem getose in die Tiefe sturzte, Wahrend Monika, laut grohlend, mit dem Kopf nach unten, in der Astgabel einer Platane schaukelte, die direkt am Hause stand. Ein Jahr ist inzwischen vergangen, seit Monika wegen Alkoholvergiftung notgeschlachtet werden musste. Ich fuhle mich schuldig an ihrem Tode und habe mich jetzt fast ganz zuruckgezogen. Um alles wieder gutzumachen, wollte ich mir schon ein neues Schwein anschaffen, aber der Gedanke daran hat alles Vergangene wieder in mir aufgeruhrt. Stattdessen habe ich mich fur eine mittelschwere Frau entschieden. Der Balkon ist bereits repariert, und frisches Stroh habe ich uns auch schon besorgt... |
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from Hannes Wader - Der Rebell (2006)
Ich bin ein Rohr im Wind
Bind dich nicht an an mich! Ich bin ein Rohr im Wind Bind dich nicht an an mich! Ich bin kein Halt, mein Kind Ich bin kein Halt, mein Kind Fur dein Boot und dich Ich bin ein Rohr im Wind Bind dich nicht an an mich! Ich bin ein Rohr im Wind Bind dich nicht an an mich! Ich bin kein Halt, mein Kind Ich bin kein Halt, mein Kind Fur dein Boot und dich Ich bin ein Rohr im Wind Bind dich nicht an an an mich! Ich bin ein Rohr im Wind Bind nicht an mich dein Boot! Es war' fur dich, mein Kind Es war' fur dich, mein Kind Es war' fur dich, mein Kind Und fur mich der Tod! |
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from Hannes Wader - Der Rebell (2006)
Bin auf meinem Weg
Schon so lang' Zerschlagen und trag' Schon so lang' Bin mude und leer Will nach Suden ans Meer Bin auf meinem Weg Ohne Wiederkehr Schon so lang' Seh' die Kriege, die Not Schon so lang' Ruinen und Tod Schon so lang' Seh' die Tranen, die Wut Seh' die Wunden das Blut Erwurgt und verfault Was stark war und gut Schon so lang' Seh' die Welt oft im Traum Schon so lang' Als Pilzwolkenbaum Schon so lang' Euch, ihr Herren der Welt Eure Lugen, den Mord An Millionen, die glauben An euer Wort Schon zu lang' Nicht nur Greuel gescheh'n Schon so lang' Hab' die Liebe geseh'n Schon so lang' Seh' die Hoffung, den Mut Seh' den Glauben, die Glut Und was sich in Gesichtern Von Kindern tut Schon so lang' Bin auf meinem Weg Schon so lang' Zerschlagen und trag' Schon so lang' Bin mude und leer Will nach Suden ans Meer Bin auf meinem Weg Ohne Wiederkehr Schon so lang' |
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from Hannes Wader - Der Rebell (2006)
Vorwarts und nicht vergessen
Worin unsere Starke besteht! Beim Hungern und beim Essen Vorwarts und nie vergessen: Die Solidaritat! Auf ihr Volker dieser Erde Einigt euch in diesem Sinn Dass sie jetzt die eure werde Und die große Nahrerin Vorwarts und nicht vergessen Worin unsere Starke besteht! Beim Hungern und beim Essen Vorwarts und nie vergessen: Die Solidaritat! Schwarzer, Weißer, Brauner, Gelber! Endet ihre Schlachterei! Reden erst die Volker selber Werden sie schnell einig sein Vorwarts und nicht vergessen Worin unsere Starke besteht! Beim Hungern und beim Essen Vorwarts und nie vergessen: Die Solidaritat! Wollen wir es schnell erreichen Brauchen wir noch dich und dich Wer im Stich lasst seinesgleichen Lasst ja nur sich selbst im Stich Vorwarts und nicht vergessen Worin unsere Starke besteht! Beim Hungern und beim Essen Vorwarts und nie vergessen: Die Solidaritat! Unsre Herrn, wer sie auch seien Sehen unsre Zwietracht gern Denn solang sie uns entzweien Bleiben sie doch unsre Herrn Vorwarts und nicht vergessen Worin unsere Starke besteht! Beim Hungern und beim Essen Vorwarts und nie vergessen: Die Solidaritat! Proletarier aller Lander Einigt euch und ihr seid frei Eure großen Regimenter Brechen jede Tyrannei! Vorwarts und nicht vergessen Und die Frage korrekt gestellt Beim Hungern und beim Essen: Wessen Straße ist die Straße? Wessen Welt ist die Welt? |
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from Hannes Wader - Der Rebell (2006)
Das erste, was ich sah, war ein Kalender an der Wand
Als ich die Augen aufschlug und las gleich, was da stand: Es war das Jahr 2095 im April Ich wollte gehen, mir wurde schlecht, ich stolperte und fiel Uber irgend etwas und dann sah ich, dass das Ding Eine Lochkarte war, die an meiner Zehe hing Die steckte ich sofort in den Computer, der da stand Und erfuhr dann auch sofort, warum und wo ich mich hier befand Diese Geschichte ist nur ein boser Traum Und dass die mal wahr wird, glaube ich kaum Denn schon setzen sich Menschen dagegen zur Wehr Und jeden Tag werden es mehr! Vor hundert Jahren wurde ich, so kam es jetzt heraus Besoffen eingeliefert in dieses Krankenhaus Ich hatte keinen Ausweis bei mir, darum hat man mich Einfach eingefroren, wie es hieß versehentlich Ich offnete die Tur, um mich ein wenig umzuschauen Da saß ein Mann, der Zeitung las mit angesengten Brauen Er sagte gar nichts und ich beruhrte seinen Arm Und merkte, dass er tot war, dabei war sein Pulsnoch warm Diese Geschichte ist nur ein boser Traum Und dass der mal wahr wird, glaube ich kaum Denn schon setzen sich Menschen dagegen zur Wehr Und jeden Tag werden es mehr! Die Zeitung hob ich auf und las, da wurde mir auch klar Warum ich gerade jetzt enteist und auferstanden war Es war die Rede von der großten Bombenexplosion in der Geschichte Und dass sie vor einer Stunde schon stattgefunden hatte Und Ort der Zundung war' Die allertiefste Stelle im Steinhuder Meer Durch die Druck- und Hitzewelle, das sieht wohl jeder ein Musste all das Eis um mich herum geschmolzen sein Diese Geschichte ist nur ein boser Traum Und dass der mal wahr wird, glaube ich kaum Denn schon setzen sich Menschen dagegen zur Wehr Und jeden Tag werden es mehr! Ich tappte durch den Korridor, kam in den Krankensaal Aber da stank es nach Aas, ich sah Leichen uberall Schon kam's mir hoch, ich riss ein paar Toilettenturen auf Leider saß da uberall schon ein Toter drauf Ich kotzte, wo ich stand, schloss mich in der Dusche ein Und fragte mich, wie's war, nun auf der Welt allein zu sein Ich wusch mich und verbrauchte eine Dose Deospray Gegen atomare Strahlen, vom Scheitel bis zum Zeh Als ich mich wieder besser fuhlte, ging ich in die Stadt Alle Hauser waren aus Plastik, kein's war hoch und glatt Es war duster auf den Strassen, ich sah kaum wohin ich ging Weil der Atompilz immer noch schwer auf den Dachern hing Ich sah im Schaufenster ein Buch mit dem Titel ?Unserer Stadt“ Das nahm ich mir, indem ich die Ladentur eintrat Moskel hieß die Stadt, las ich und man ahnt es schon Sie reichte vom Rhein bis tief in die Sowjetunion Diese Geschichte ist nur ein boser Traum Und dass der mal wahr wird glaube ich kaum Denn schon setzen sich Menschen dagegen zur Wehr Und jeden Tag werden es mehr! Ich dachte: ?Das ist auch nicht mehr alles so wie fruher hier!“ Dann sah ich ein Pornoheft, beim blattern schien es mir Das da alles noch beim Alten war. Gleich wurde mir bewusst Das ich hundert Jahre schlief, ohne Sunde, ohne Lust Dann erst sah ich, dass ich nackt war und ich schamte mich Denn auf einem Stuhl hinter mir bemerkte ich Ein Madchen, das hielt noch in der schwarz und roten Hand Den aus feuerfestem Material gedruckten Goetheband Diese Geschichte ist nur ein boser Traum Und dass der mal wahr wird, glaube ich kaum Denn schon setzen sich Menschen dagegen zur Wehr Und jeden Tag werden es mehr! Ich lief zuruck zur Klinik, um ein Madchen aufzutauen Um ohne langes Zogern, die Welt neu aufzubauen In der Gefrierabteilung zweiter Klasse waren alle tot Doch fand ich die erste Klasse schnell in meiner Not Hier lief als Extrasicherung ein Notstromaggregat Doch fror ich bei der Kalte nicht, als ich den Raum betrat Denn hundert Jahre ohne Frau, ihr wisst schon was das heißt Ein Kolben, mit dem hatt' ich jeden Gletscher aufgeschweißt Doch diese Geschichte ist nur ein boser Traum Und dass der mal wahr wird, glaube ich kaum Denn schon setzen sich Menschen dagegen zur Wehr Und jeden Tag werden es mehr! Doch als ich sah, wer da alles unterm Eise lag Traf mich die Kalte plotzlich wie ein Hammerschlag Alles alte Weiber, die Haut verschrumpelt blau Das Tal in allen Farben, aber unterm Nabel grau Da lag die Tankerkonigin mit ihrem Hund im Eis Mir gefror auf der Stirn der ohnehin schon kalte Schweiß Denn die Pille ewiger Jugend, fiel mir plotzlich ein Konnte ja fur diese Monstern schon erfunden sein Ich hielt es da nicht lange aus, ging durch die nachste Tur In den Mannersaal. Politiker und Greise lagen hier Fast alle wegen Korruption und Meineid abgesagt Hatten sie sich selber fur 'ne Zeit auf Eis gelegt Mit dem Wissen, die Summe ihrer großten Schweinereien Wurde eines Tages, vollig umgedreht als rein Historisch große Tat durch die Geschichtsbucher gehen wenn sie einmal wieder aus dem Eise auferstehen Diese Geschichte ist nur ein boser Traum Und dass der mal wahr wird, glaube ich kaum Denn schon setzen sich Menschen dagegen zur Wehr Und jeden Tag werden es mehr! Ich stellte mir voll Ekel diese Kreaturen vor Sich begattend, die Erneuerung der Welt im Chor Grolend feiern, Wechselbalger erzeugen die Ebenso brutal und skrupellos war'n wie sie Die Erde neu bevolkern, diesen guten alten Stern Um sie nach tausend Jahren vielleicht wieder zu zerstor'n Und wieder fror ich, rannte grubelnd hin und her Nicht wissend, wie die Katastrophe zu verhindern war Doch ich suchte, bis ich einen Haufen Holzpflocke fand Unten angespitzt, nahm einen Hammer in die Hand Um den Herrschaften, noch vor Beginn der Nacht Die Holzer ins Herz zu treiben, wie man's mit Vampiren macht Ich ging zum ersten besten, holte aus zum Schlag ? Wachte auf und sah, dass ich in der Badewanne lag Weil die Arzte meinen, dass es gut war' das zu tun Schrieb ich die Geschichte nieder und hier ist sie nun Diese Geschichte bleibt nur ein boser Traum Und dass der mal wahr wird, glaube ich kaum Denn schon setzen sich Menschen dagegen zur Wehr Und jeden Tag werden es mehr! |
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Das war 'ne heiße Marzenzeit
Trotz Regen, Schnee und alledem! Nun aber, da es Bluten schneit Nun ist es kalt, trotz alledem! Trotz alledem und alledem ? Trotz Wien, Berlin und alledem ? Ein schnoder scharfer Winterwind Durchfrostelt uns trotz alledem! Die Waffen, die der Sieg uns gab Der Sieg des Rechts, trotz alledem Die nimmt man sacht uns wieder ab Samt Pulver und Blei und alledem Trotz alledem und alledem ? Trotz Parlament und alledem ? Wir werden uns're Buchsen los Soldatenwild trotz alledem! Heißt ?Gnad'ger Herr“ das Burschlein dort ? Man sieht's am Stolz und alledem Und lenkt auch Hunderte sein Wort Es bleibt ein Tropf trotz alledem Trotz alledem und alledem Trotz Band und Stern und alledem ? Ein Mann von unabhan'gem Sinn Schaut zu und lacht, trotz alledem Und wenn der Reichstag sich blamiert Professorhaft, trotz alledem! Und wenn der Teufel regiert Mit Huf und Horn und alledem ? Trotz alledem und alledem Es kommt dazu, trotz alledem Dass rings der Mensch die Bruderhand Dem Menschen reicht, trotz alledem! Trotz alledem und alledem Es kommt dazu, trotz alledem Dass rings der Mensch die Bruderhand Dem Menschen reicht, trotz alledem! |
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Einmal kam sie auf ein Glas Wein
Zu mir herein, zu mir herein Sie schaute sich um, spuckte kraftig in die Hande Und brachte Ordnung in meine vier Wande! Alle Sofakissen hatte sie geschickt Und sauber in der Mitte geknickt! Ich weiß, so ein Madchen ist eigentlich Viel zu schade fur mich Viel zu schade fur mich! Dann stand sie und wischte, auf der Fensterbank Alle Scheiben blank, alle Scheiben blank! Soviel Fleiß ist Gabe, nicht anerzogen Und statt der Muttermilch eingesogen! Endlich war alles sauber und geputzt ? Nur hatte sie ihr neues Kleidchen beschmutzt! Ich weiß, so ein Madchen ist eigentlich Viel zu schade fur mich Viel zu schade fur mich! Sie hangte das Kleidchen mit den Flecken drin Zum trocknen hin, zum trocknen hin Da sah ich, dass sie selbstgestrickte Hosen trug Geraumig und warm, zum Schutz gegen Zug! Die konnte sie, wenn sie wollte, von den Knien Bequem bis unter die Achseln zieh'n! Ich weiß, so ein Madchen ist eigentlich Viel zu schade fur mich Viel zu schade fur mich! Sie hatte ihre Zahnburste mitgebracht Und blieb uber Nacht, und blieb uber Nacht Sie weinte, weil ich sagte, dass sie Ruhe geben sollte Als sie ein paar Kunststuckchen vorfuhren wollte Einem Buch “Gluck zu zweit” ? oder so ? entnommen ? An jedem Bahnhof kann man es bekommen! Ich weiß, so ein Madchen ist eigentlich Viel zu schade fur mich Viel zu schade fur mich! Ich sagte ihr, dass sie nichts zu weinen hatte In meinem Bette, in meinem Bette! ?Warte bis morgen, dann triffst du hier Einen Freund von mir, der ist netter zu dir!“ ? Jetzt wohnt sie bei ihm, hat ihm langst geschickt Die Nummes seines Autos auf ein Kissen gestickt! Ich weiß, dieses ein Madchen war eigentlich Viel zu schade fur mich Viel zu schade fur mich! |
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Wer sich allein dem Strom der Zeit
Entgegenstemmt Der unterliegt, wird von der Flut Doch fortgeschwemmt Nie traf der Larm der Welt mein Ohr So hart, so grell Die Zeit, sie jagt so blind wie nie zuvor So kalt, so schnell Mochte nur bleiben was ich bin Und wiedersteh'n Den eig'nen Weg so gut ich kann Zuende geh'n Nie traf der Larm der Welt mein Ohr So hart, so grell Die Zeit, sie jagt so blind wie nie zuvor So kalt, so schnell Weiß nicht, was vielleicht morgen schon Mit mir geschieht Ob ich noch steh', oder ob mich der Sog Hinunterzieht Nie traf der Larm der Welt mein Ohr So hart, so grell Die Zeit, sie jagt so blind wie nie zuvor So kalt, so schnell |
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Summer days turning cold
Summer leaves turn to gold Summer love gone to sea Summer birds sound the cry Restless wings beat the sky In their flight from the winter's decree Empty room where she slept Near the shelf where she kept Her dreams and her fears Empty space where she lay With her head turned away As the dawn kissed the leaves with its tears The threads of our lives have become so entwined The weave of their fiber lies close 'round my mind And the wonder of her standing there by the shore Comes back to my mind as I pass by her door Empty street where we walked Empty bridge where we talked In the dusk and the rain Crimson clouds gone to gray Mourned the death of the day As the shadows went softly insane Summer leaves gone to brown Morning frost chills the town With a crystalline shroud Winter's long, icy hands Freeze the life from the land Summer's face getting lost in the crowd The threads of our lives have become so entwined The weave of their fiber lies close 'round my mind And the wonder of her standing there by the shore Comes back to my mind as I pass by her door |
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from Hannes Wader - Wieder Unterwegs (2009)
Habe nun seit vielen Stunden
Meine Liebste nicht geseh'n Sie hat sich ein Buch genommen Wollte in den Garten geh'n Doch ich kann sie nirgends finden Dort, wo sie noch eben saß Liegen nun gebroch'ne Blumen Und das Buch im hohen Gras Heute zeigt sich keine Wolke Und noch weht kein kuhler Wind Liebste komm, soll es doch regnen Wenn wir zusammen sind Und nun hore ich sie singen Schon winkt sie mir zu und lacht Hat in Mohn und Margeriten Langst ein Bett fur uns gemacht |
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