| Disc 1 | ||||||
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Habe nun seit vielen Stunden
Meine Liebste nicht geseh'n Sie hat sich ein Buch genommen Wollte in den Garten geh'n Doch ich kann sie nirgends finden Dort, wo sie noch eben saß Liegen nun gebroch'ne Blumen Und das Buch im hohen Gras Heute zeigt sich keine Wolke Und noch weht kein kuhler Wind Liebste komm, soll es doch regnen Wenn wir zusammen sind Und nun hore ich sie singen Schon winkt sie mir zu und lacht Hat in Mohn und Margeriten Langst ein Bett fur uns gemacht |
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Ich sah heut Nacht im Traum vor mir
Ein endlos weites Feld Millionen Menschen sah ich dort Aus allen Landern der Welt Ich sah im Traum die ganze Menschheit Einig und befreit Von Folter, Hass und Volkermord Fur jetzt und alle Zeit Ich sah im Traum dies' Menschenheer Bewaffnet wie zur Schlacht In dichten Reihen aufgestellt Um einen tiefen Schacht Und auf ein Zeichen warfen sie All' ihre Waffen ab Granaten, Bomben sturzten tausend Meter tief hinab Bald war der Schacht gefullt mit Kriegs- Maschinen bis zum Rand Und Menschen aller Rassen standen Lachend Hand in Hand Wohl jeder traumt den Traum vom Frieden Und es kommt die Zeit Dann wird wie jeder Menschheitstraum Der Frieden Wirklichkeit Wohl jeder traumt den Traum vom Frieden Und es kommt die Zeit Dann wird wie jeder Menschheitstraum Der Frieden Wirklichkeit |
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Von Norden kommend, bin ich schon seit Stunden auf der Straße, fahre ohne Eile, dose vor mich hin
Bei Hannover irgendwo mach' ich eine kleine Pause, weil ich tanken muß, und weil ich hungrig bin Und dann roll' ich wieder weiter. An der Ausfahrt steh'n zwei Jungs, ich halte an und sie steigen zu mir ein Sie erzahlen dies und jenes, daß sie beide achtzehn sind und wollen noch vor Mitternacht in Frankfurt sein Beide konnen keine Arbeit kriegen, mochten gern' was lernen, sind das jahrelange Gammeln endlich leid Wollen sich mit Leuten treffen, denen es nicht anders geht, sind zum Betteln, Schlangesteh'n nicht mehr bereit So vergeht die Zeit mit Reden; bei der Abfahrt ?Sauerland“ bieg' ich ab und lass' die beiden wieder raus Diese jungen Leute lassen nicht mehr alles mit sich machen, vielleicht sieht die Zukunft so schlecht gar nicht aus! Wieder unterwegs Hab's mir selbst so ausgesucht Und auch tausend Mal verflucht Andererseits ? Man kommt viel 'rum und man sieht Was im Lande so geschieht Selbst wenn man manches nicht versteht Wie man's auch wendet und dreht Aber eins kommt doch meist dabei raus Und das ist: man lernt nie aus Glutrot geht die Sonne unter, wunderbar, doch irgendetwas ist da, was mich deprimiert und 'runterzieht Und der Grund ist bald gefunden, denn im Autoradio lauft seit Stunden so ein Disco-Schweinebeat Ich dreh' ab, gleich geht's mir besser, fange selber an zu singen aber plotzlich spuckt und stottert der Motor Kurz entschlossen fahr' ich rechts auf einem Knuppeldamm entlang, der fuhrt kerzengrade mitten durch ein Moor Die Benzinuhr leuchtet auf, ich schaffe noch funf Kilometer und dann sitz' ich fest ? weiß nicht mal, wo ich bin! Es wird dunkel und ich lausche, hore Schusse, Hundebellen: ?Das sind Jager“, denk' ich, ?vielleicht find' ich hin.“ Und ich nehme den Kanister, komme an ein Lagerfeuer, seh' mich um und hore jemand ?Wer da?“ schrei'n ? Schwarze Kutten, Knobelbecher, Messer und Gewehre seh' ich, Schaferhunde: Jager konnen das nicht sein! Hande packen mich von hinten, zerren mich brutal zum Feuer; einer, der wahrscheinlich Chef der Gruppe ist Schreit: ?Den kenne ich, den Lumpenhund, der singt undeutsche Lieder! Ein Spitzel ist er, und ein Kommunist! Fur Spione keine Gnade! Sprengkommando angetreten! Sucht das Auto, und dann jagt es in die Luft! Unsre Jungsten soll'n beweisen, dass sie echte Manner sind! Sofort abfuhr'n und erschießen, diesen Schuft!“ Und schon fuhren mich drei Knaben in den nah' geleg'nen Wald, sind bleich vor Angst; auch mir zittern die Knie Doch ich nutze die Sekunde, als mein Wagen explodiert, das ist meine letzte Chance ? jetzt oder nie! Und ich renne, renne, renne, wie noch nie in meinem Leben, hore das Geschrei, die Schusse hinter mir Dazu platzt mit einemmal ein Gewitterregen nieder. Denken kann ich nicht, nur fliehen wie ein Tier Wieder unterwegs Hab's mir selbst so ausgesucht Und auch tausend Mal verflucht Andererseits ? Man kommt viel 'rum und man sieht Was im Lande so geschieht Selbst wenn man manches nicht versteht Wie man's auch wendet und dreht Aber eins kommt doch meist dabei raus Und das ist: man lernt nie aus Und mal sturz' ich uber Wurzeln, und ersticke fast im Schlamm; Dornen reißen mir das Fleisch aus dem Gesicht Die Stiefel hab' ich langst verloren ? ich kann keinen Schritt mehr geh'n: mir gleich, ob sie mich finden, oder nicht! Und ich schlafe einfach ein, wache erst nach Stunden auf von zartem Flotenspiel im Sonnenschein Vor mir sitzt im hohen Gras ein Madchen, blast die Weidenflote, tragt ein selbstgenahtes Kleid und lachelt fein Nimmt mir dann mit spitzen Fingern den Benzinkanister ab, denn den trage ich noch immer in der Hand Ubergibt ihn ein paar Leuten, die grad' in der Nahe sind, die verbuddeln ihn funf Meter tief im Sand. Meine Angst kommt wieder hoch, und als ich schreie: ?Hilfe! Morder!“ sagt das Madchen sanft: ?Ich will, daß du verstehst: Fur uns bist du unser Bruder, und wir wollen gar nicht wissen, wer du bist, woher du kommst, wohin du gehst.“ Und sie fuhrt mich in ihr Haus, heilt mir meine wunden Fuße, kuhlt mit Krautern mein Gesicht, bringt Brot und Wein Sie bereitet mir ein Lager, hockt sich hin zu meinen Fußen, nimmt die Flote, spielt ? bald schlaf' ich wie ein Stein Fuhl' mich gut am nachsten Morgen und sie bringt mir frische Kleider, Holzsandalen und ein leinenes Gewand Als sie sieht, dass ich noch hinke, setzt sie mich auf einen Esel, druckt mir Brot und Ziegenkase in die Hand War' so gerne noch geblieben, aber ich muss weiterreiten, weil mein Puls nun einmal in einem Rhythmus schlagt Der sich mit dem stillen Leben, diesem handgewebten Frieden fern der Welt, auf die Dauer nicht vertragt Doch von wegen ?fern der Welt“: ich bin kaum hundert Schritt geritten, steh' ich schon vor einem Stacheldrahtverhau Seit heut' Nacht ist hier klammheimlich ? niemand hatte das bemerkt ? ein gewaltiges Atomkraftwerk im Bau Wieder unterwegs Hab's mir selbst so ausgesucht Und auch tausend Mal verflucht Andererseits ? Man kommt viel 'rum und man sieht Was im Lande so geschieht Selbst wenn man manches nicht versteht Wie man's auch wendet und dreht Aber eins kommt doch meist dabei raus Und das ist: man lernt nie aus Wieder hor' ich Hunde bellen, sehe Manner mit Gewehren, schlage einen großen Bogen durch den Wald Reite weiter, Stunden, Tage, unter Autobahnen durch, mach' am Ufer eines Flusses endlich halt ? Plotzlich ringsum viele Menschen, die laut beten, seufzen, singen, sich die Haare raufen, ?Halleluja!“ schrei'n: ?Seht den Mann dort auf dem Esel, das Gewand und die Sandalen! Hosianna, Freunde, das muß Jesus sein!“ Und ich fluchte in den Strom, spring' von einem Stein zum andern, und am Ufer knien die Pilger im Gebet Mussen zuseh'n, wie ich sturze, wie ihr falscher Herr und Heiland ? kaum erschienen ? wieder klaglich untergeht Gleich reißt mich die Stromung fort, meilenweit. Der Fluß wird breiter, und ich schwimme, kampfe, komme nicht an Land Links und rechts Chemiefabriken, und das Wasser schaumt und stinkt ? halb ertrunken treibe ich zum Uferrand Und am Ufer spielen Kinder; gurgelnd schreie ich um Hilfe, doch es ist, als brullt' ich gegen eine Wand Einer taucht die Finger in den giftverseuchten Fluß, leckt sich den Schaum wie Zuckerwatte von der Hand Die anderen lallen, kichern, kotzen und dass ich ans Ufer krieche, fast verrecke, merken sie nicht mehr Auch ich hab' von dem Schaum gefressen, literweise Gift geschluckt ? nackter Horror fallt uber mich her Ich sehe Kinder mit drei Kopfen, Fratzen ? grauenhafte Monster dringen auf mich ein, sind plotzlich riesengroß! Und ich kreische vor Entsetzen, reiße einem kleinen Jungen schnell sein Skateboard aus der Hand und rase los Doch bald komm' ich wieder zu mir, immer noch auf meinem Skateboard, flugelschlagend torkle ich wie ein Hahn Auf 'ner Henne, die nicht will ? und das bei Tempo 130, als Geisterfahrer auf der Autobahn Wieder unterwegs Hab's mir selbst so ausgesucht Und auch tausend Mal verflucht Andererseits ? Man kommt viel 'rum und man sieht Was im Lande so geschieht Selbst wenn man manches nicht versteht Wie man's auch wendet und dreht Aber eins kommt doch meist dabei raus Und das ist: man lernt nie aus Hore Hupen, Reifen quietschen, sehe Autos bremsen, schleudern, finde eine Ausfahrt; als ich kurz darauf Die Autobahn verlasse, und ich schaue mich kurz um, turmt sich hinter mir ein Schrottgebirge auf Der Larm wird unertraglich, auch Sirenen jaulen auf ? ?Lalulalu“ ? die Polizei ist auch schon da Doch die sollen mich nicht kriegen! Ich muss mich verstecken, tarnen, und dann seh' ich auch die Rettung schon ganz nah: Uberall am Straßenrand stehen Hunderte von Schildern, Wahlplakate einer christlichen Partei Darauf steht in großen Lettern: ?SOZIALISMUS FUHRT INS ELEND!“ und ich halte an, und greife mir gleich zwei Die hange ich mir um den Hals, rolle unter dieser Tarnung unerkannt durch Frankfurt als ein Sandwich-Mann Die Parole auf den Schildern, die zerriss'nen Klamotten: dies Kostum kommt bei den Leuten richtig an Als ich um die Ecke biege, hinterm Eschersheimer Turm, bin ich zwischen Menschenmassen eingekeilt ? Alles linke Demonstranten, und die starr'n auf meine Schilder. Nichts wie weg ? hier werden Prugel ausgeteilt! Doch ich weiß, die Linken lassen sich, bevor sie jemand schlagen, meistens erst auf Diskussionen ein Das bestatigt sich auch diesmal: sie besturmen mich mit Fragen, doch was ich erzahle glaubt mir hier kein Schwein! Kurz und gut: diese Geschichte nimmt doch noch ein gutes Ende, denn ich werde plotzlich von zwei Jungs erkannt ? Ausgerechnet von den beiden, die ich mitgenommen habe zu Beginn der Fahrt durch dies' verruckte Land Und sie geben mir zu essen, bringen mir eine Gitarre und dann tu' ich das, was ich am besten kann: Stimme kurz das Instrument ? dazu brauch' ich eine Stunde ? und schon fange ich ein Lied zu singen an Und zwar: Wieder unterwegs Hab's mir selbst so ausgesucht Und auch tausend Mal verflucht Andererseits ? Man kommt viel 'rum und man sieht Was im Lande so geschieht Selbst wenn man manches nicht versteht Wie man's auch wendet und dreht Aber eins kommt doch meist dabei raus Und das ist: man lernt nie aus |
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